Crowdsourcing: Die Masse macht's möglich!

Die Digitalisierung von Quellen ermöglicht Laien die freiwillige Mitarbeit bei der Beschlagwortung und Indexierung

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Das kann ganz schön süchtig machen", fasst Előd Biszak die Hauptgründe für erfolgreiches Crowdsourcing, also die Mithilfe von interessierten Laien bei wissenschaftlichen Fragestellungen, zusammen. Biszak, der eigentlich Mathematiker ist, betreibt gemeinsam mit seinem Vater ein Unternehmen zur Digitalisierung von historischem Quellenmaterial.

Eines der Projekte, an dem weltweit mitgearbeitet werden kann, ist die Sammlung von historischen Postkarten. Auf der Internetplattform Hungaricana können 300.000 Postkarten - Bestände aus fünf Museen - eingesehen werden.

Die Postkarten sollen beschrieben und auf der Landkarte platziert werden. Genau dafür ist die Mitarbeit der Masse gefragt. Denn die digitale Verfügbarmachung der Quelle allein ist zu wenig: Wo genau wurde ein Foto aufgenommen? Was ist das für ein Monument auf der Karte, das heute nicht mehr existiert? Wer kennt dieses Haus, das heute nicht mehr steht? Und warum steht es nicht mehr?"Wir möchten die auf den Karten gezeigte Vergangenheit rekonstruieren", sagt Biszak.

Doch für die Beschlagwortung und Indexierung der Digitalisate fehlen vielen Archiven oder Museen die personellen Ressourcen - ebenso das Detailwissen. Dieses stellt Crowdsourcing bereit. "Jeder kennt seine eigene Stadt besser als jeder Historiker oder Geograf", erklärt Előd Biszak.

Auf der Postkarten-Website herrscht ein regelrechter Beschlagwortungswettbewerb. Gutscheine im Wert von 25.000 bzw. 10.000 Forint (80 bzw. 33 Euro) werden jeden Monat für die drei aktivsten Nutzer vergeben. Von denen kennt Biszak meist nur Mailadressen. Obwohl sie sehr präzise arbeiten, passieren Fehler. Die zeitaufwendige Qualitätskontrolle ist daher die am häufigsten genannte Schwachstelle beim Crowdsourcing.

Gunilla Nordström und Maria Larsson Östergren vom Schwedischen Nationalarchiv nennen weitere Punkte: Gewerkschaften kritisieren, dass es sich um keine reguläre Arbeit handelt, vielmehr werde hier mit Freiwilligenarbeit Geld gemacht. Auch sei das Copyright unklar: Wer ist der Inhaber der so produzierten Inhalte?

Neben der Entlastung für die Archive bietet Crowdsourcing weitere Vorteile: Ältere Menschen können sich geistig fit halten, Crowdsourcing kann aber auch als soziales Projekt gesehen werden: So können Menschen nach einem Burnout durch die häppchenweise Tätigkeit wieder ins geregelte Arbeitsleben zurückfinden.

http://postcards.hungaricana.hu/en

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige