Demokratie oder Großkonzerne?

Die Forschung in den Bereichen Safety, Security & Verification bestimmt auch, wer künftig die Macht haben wird

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Küchenmaschine, Handy, Herzschrittmacher, Flugzeug - wir erwarten, dass sie funktionieren. Ist das alles so einfach? "Nein", sagt Thomas Henzinger, Präsident des IST Austria (Institute of Science and Technology)."Computersoftware ist enorm komplex, und dafür, dass wie etwa beim Fliegen oder in der Medizin so viel davon abhängt, gibt es noch zu viele Fehler." Bei einem Auto oder Flugzeug sei Trial and Error eine schlechte Idee. "Aber beim Entwickeln von Software fehlen uns noch die mathematischen Grundlagen, um wirklich vorhersagen zu können, ob sie funktioniert." An diesen mathematischen Grundlagen arbeitet Henzingers Forschungsgruppe. "Wir brauchen sie, um Softwarefehler zu verringern." Und er wünsche sich mehr Studierende für dieses Zukunftsgebiet.

Für TTTech, Spin-off der TU Wien und Österreichs erfolgreichtes Start-up, spielt Forschung eine zentrale Rolle. "Wir sind Partner in einer Reihe internationaler Forschungsprojekte", sagt Stefan Poledna, Mitbegründer und Vorstand des Unternehmens. Es sei essenziell, Nutzen für den Menschen und Sicherheit unter einen Hut zu bekommen. Kernkompetenz ist robuste und sichere Elektronik; die Vernetzungslösungen und Elektroniksteuerungen von TTT ech finden sich im NASA Orion Shuttle, im Airbus A380, in der Boeing 787 und vielen Fahrzeugen der Volkswagen-Gruppe.

"Wir arbeiten daran, Computersysteme so zu bauen, dass sie auch dann weiter funktionieren, wenn ein Teil ausfällt", so Poledna. "Dazu bedarf es eines hochzuverlässigen Netzwerks, über das mehrere Komponenten zusammenarbeiten, um Fehler im Betrieb tolerieren zu können."

"Bei Safety und Verification ist Korrektheit zentral", sagt Reinhard Posch, Leiter des IAIK (Institute of Applied Information Processing and Communications) der TU Graz. "Diese ist durch die steigende Komplexität der Dinge und die immer autonomeren Algorithmen ganz wesentlich." Sie müsse nicht nur in der Praxis, sondern formal beweisbar werden. Gemeinsam mit der TU Wien, dem IST Austria, der Uni Linz und der Uni Salzburg gehört die TU Graz zum Nationalen Forschungsnetzwerk des FWF zu Verification.

Als auf Sicherheit spezialisierte Forschungsgruppe ist das IAIK in viele hochkarätige EU-Projekte eingebunden. Neben der formalen Verification sind die Identität von Personen bzw. Objekten und Governance wesentlich. "Manipulation und Terrorismus können eine große Bedrohung darstellen. Hier ist Verification von kritischen Systemen massiv gefordert", sagt Posch. Mittelfristig seien Sicherheit, Identity und Governance entscheidend dafür, ob Technologie und Wirtschaft von demokratischen Strukturen oder Großkonzernen bestimmt werden, so der CIO der Bundesregierung. "Darum halte ich eine nachhaltige Forschungs-, Förderungs- und damit Standortpolitik sowie ein stärkeres Engagement für Governance und digitale Souveränität für unabdingbar."

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