Pflanzenethik

Pflanzen bitte p.c. nutzen!

Mit der Nanotechnologie in der Landwirtschaft treten Fragen auf, mit denen sich die wissenschaftliche Pflanzenethik befasst

Sonja Burger | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Wie verhält man sich dem Bärlauch gegenüber? Wer hat sich schon einmal ernsthaft überlegt, ob Flieder oder Bärlauch genauso einen Anspruch darauf haben, dass man sich ihnen gegenüber ethisch korrekt verhält?

Allein schon diese Überlegung verdeutlicht, wie schwierig das Thema ist. Auf wissenschaftlicher Ebene setzt sich damit die Pflanzenethik, ein junges Teilgebiet der Umweltethik, auseinander.

Moralische Fragen, etwa zu Nutzung und Umgang mit Zier-,Wildoder Nutzpflanzen, bilden dabei den Schwerpunkt. Denn trotz der Unterschiede zwischen Mensch, Tier und Pflanze verbindet alle ihr Streben nach Leben.

In der biozentrischen Ethik, einem ethischen Modell, zu dem Albert Schweitzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Basis legte, besitzen auch Pflanzen einen Eigenwert. Darüber gehen zwar nach wie vor die Meinungen auseinander, doch technologische Entwicklungen wie etwa der Einsatz von Nanotechnologie in der Landwirtschaft bringen Natur-, Geistes- und Rechtswissenschaften nun an einen Tisch.

Pflanzenschutzmittel auf Basis von Nanotechnologie

Ein Beispiel sind Pflanzenschutzmittel auf Basis von Nanotechnologie. Ob Chancen oder Risiken überwiegen, ist derzeit noch offen. Ein zentraler Punkt in Hinblick auf Pflanzen ist dabei die Frage nach der Schädigung.

Wie Umweltwissenschafter Thilo Hofmann, Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geografie und Astronomie sowie Leiter des Forschungsverbundes Umwelt der Universität Wien betont, lasse sich eine Frage wie diese nicht aus dem Blickwinkel einer einzigen Disziplin beantworten.

"Kommen solche Produkte zum Einsatz, wäre dies der erste flächendeckende Einsatz von Nanopartikeln in der Umwelt. Das muss man sich ethisch, naturwissenschaftlich und rechtlich genau ansehen."

In der neuen interdisziplinären Forschungsplattform "Nano-Norms-Nature" bringt Hofmann die naturwissenschaftliche Perspektive ein. Um die Schädigung zu ermessen, ist dies aber nicht genug. Geleitet wird die Forschungsplattform von Angela Kallhoff. Die Professorin für angewandte Ethik am Institut für Philosophie der Universität Wien übernimmt dabei den Part der Umweltethik.

Haben Pflanzen moralische Eigenschaften?

"Da Pflanzen keine moralanalogen Eigenschaften wie ein Bewusstsein oder Leidensfähigkeit zugeschrieben werden, funktionieren Argumente für eine Ausweitung der Ethik leider nicht", erklärt Kallhoff. Für die Entwicklung von Normen und einer "wissensbasierten Ethik an der Schnittstelle Nanotechnologie und Natur ist das daher eine zentrale Herausforderung."

Da die Forschungsplattform erst am Anfang steht, ist noch relativ offen, mit welcher thematischen Bandbreite sich die Experten befassen werden. Primär geht es bei der Forschung zu Normen im Umgang mit Pflanzen jedenfalls um die Suche nach neuen Wegen der Argumentation, wobei moderne Anwendungen in der Agrarindustrie von Anfang an mitberücksichtigt werden. Einer ethisch korrekten Nutzung könnte man damit einen großen Schritt näher kommen.

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