Geologie

Die Evolution der Minerale: Von einer Handvoll im Sonnensystem zu rund 5.000 Varianten

Jochen Stadler | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Man kennt Evolution von Lebewesen, aber ähnliche Veränderungen gibt es auch im unbelebten Mineralreich", erklärt Christian Köberl vom Naturhistorischen Museum Wien. Als das Sonnensystem entstand, gab es nur eine Handvoll Minerale. Heute sind es auf der Erde ungefähr 5.000. Über die Äonen trieben neue geologische Prozesse ihre Evolution voran und brachten der Erde eine beispiellose Vielfalt.

Auf unserem Planeten gibt es viel mehr Minerale als irgendwo anders im Sonnensystem. Grund dafür ist das Leben, dem mehr als die Hälfte der Minerale ihre Existenz verdanken sowie stetige Änderungen der Umweltbedingungen auf der Erde, schreibt der "Entdecker" der Mineral-Evolution, Robert Hazen vom Carnegie Institute in Washington im Scientific American. Er präsentierte seine Arbeiten kürzlich an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.

Hazen kritisiert, dass die Wissenschaft Minerale jahrhundertelang als wertvolle Objekte mit interessanten Eigenschaften betrachtet hat, aber seltsamerweise keinen Bezug zur jeweiligen Entstehungszeit herstellte. Gemeinsam mit Kollegen verwendet er die Erdgeschichte nun als Rahmen, um die Minerale und ihre Entwicklungsprozesse besser zu verstehen.

So fand er eine Entwicklungslinie von den ersten Mineralen, die vermutlich mikroskopisch kleine Diamanten waren und in den Gashüllen der ersten Supernovas entstanden, über solche, die bei der Planetenbildung, bei Kollisionen von Himmelskörpern und durch das Schmelzen und Wiedererstarren der Erdkruste gebildet wurden, bis zu jenen, die durch die Aktivitäten von Lebewesen geformt wurden. Diese brachten zu den damals vermutlich 1.500 vorhandenen Mineralen "in einem geologischen Augenblick" weitere 2.500 neue Minerale.

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