Kreative Erneuerung

Ein Kommentar von Hannes Werthner über die Bedeutung von Universitäten für Innovationen

Hannes Werthner | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

In den Medien genießen Internet-Startups, ihre Gründer, Investoren oder Business Angels viel Aufmerksamkeit. Es gibt Wettbewerbe, öffentliche und private Gründerinitiativen sowie erfolgreiche Festivals wie das Pioneers in Wien.

Ein bisschen scheint dabei ein wichtiger Faktor dieses sich entwickelnden "Ökosystems" zu kurz zu kommen: die Informatik an den österreichischen Universitäten.

Woher kommen die Gründer mit ihren Ideen, woher das Wissen und die Kreativität? Hier sind vor allem Universitäten wichtig, sei es in der Lehre, in der angewandten und auch in der grundlagenorientierten Forschung. All dies liefert letztendlich die inhaltlichen Ingredienzen erfolgreicher Innovationen.

In diesem Zusammenhang ist die Streichung der grundlagenorientierten Doktoratskollegs des FWF keine sehr kluge Entscheidung. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Ausgaben bei IT und Forschung und wirtschaftlichem Wachstum. Die spezifische Rolle der Informatik wird auch dadurch unterstrichen, dass mehr als ein Drittel aller Produktinnovationen ITbasiert sind.

Im Zentrum von Innovationsclustern stehen Universitäten. Man schaue nach Silicon Valley, Boston, das Gebiet um Cambridge und Oxford, oder München. Dies gilt auch für Wien: Aus einer Studie der Akademie der Wissenschaften (2015) geht hervor, dass sich die Wiener IT-Entwicklungs- und Gründerszene um die TU Wien und, wenn auch in einem geringeren Ausmaß, die Uni Wien konzentriert. Universitäten liefern Ideen und Köpfe. Letztere suchen aus offensichtlichen Gründen die Nähe der Universitäten.

Universitäten sind aber keine Innovationsmusterknaben, und viele von uns müssen diese Rolle erst noch erkennen und formulieren, nämlich Innovation als dritte Säule neben den Kernaufgaben Forschung und der Lehre. Dies umfasst neben der in vielen Fällen zusätzlichen spezifischen Lehre auch ein Dienstleistungsportfolio für Forschende und Lernende wie etwa Startup-Camps, Verwertbarkeitschecks von Forschungsergebnissen, Kontakte zu Investoren und Mentoren, akademische "Partnervermittlung" für Entwicklung und Firmengründung. Ein Beispiel dafür ist dass i2c der TU Wien.

Erfolgreiche Innovationsökosysteme sind international vernetzt. Sie pflegen eine Austausch- und Willkommenskultur. Auch hier spielen Universitäten eine wichtige Rolle. Sie sind interdisziplinär und heterogen, sie interagieren mit Kunst und Kultur. All dies ist kein Selbstzweck, denn Innovation ist ja nicht nur ökonomisch definiert: Sie sollte nicht nur den Interessen von Unternehmen, sondern den Bedürfnissen der Menschen und der Gesellschaft als Ganzes dienen - letztendlich der kreativen gesellschaftlichen Erneuerung.

Hannes Werthner ist Professor für E-Commerce am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien

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