Wissen, hinterfragen und intelligent nutzen

Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG), ein Verein zur Förderung von Informatik, wird vierzig. Eine Würdigung

Sonja Burger | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

395 US-Dollar kostete im Jahr 1975 der Mikrocomputer-Bausatz für einen Altair 8800, dem ersten kommerziell erhältlichen Mikrocomputer weltweit. Verantwortlich für dessen Erfolg war die Elektronik-Zeitschrift Popular Electrics, die den Bausatz in der Jänner-Ausgabe auf die Titelseite brachte. Dies läutete die Ära der Mikrocomputer ein, und in den USA entstanden erste Computerclubs.

Im selben Jahr schlug die Geburtsstunde der Österreichischen Computer Gesellschaft, einem gemeinnützigen Verein zur Förderung von Informatik und Informations-und Kommunikationstechnologien.

"1975 war alles noch sehr technologieorientiert. Die OCG hat von Anfang an das Wechselspiel mit Mensch und Gesellschaft im Blick gehabt. Heute sind diese Technologien überall präsent und beeinflussen das gesellschaftliche Leben enorm", weiß der Mathematiker und Experte für angewandte Informatik, Reinhard Goebl.

Der Verein mit seinen rund 1.500 Mitgliedern sieht sich selbst als Fachgesellschaft, Wissenspool und Plattform. "Das Informatikwissen der OCG liegt bei ihren Mitgliedern, Funktionären und Universitäten, sprich im Netzwerk. Die Universitäten sind zusammen mit Wirtschaft und Administration unser stärkstes Standbein", erklärt Goebl, OCG-Präsident. Für ihn ist die OCG ein Ort, wo nach wie vor seriös und interessenungebunden über die Entwicklungen in der Informatik gesprochen werde. Nach außen hin ist sie vor allem als Zertifizierungsstelle für den Europäischen Computer-Führerschein bekannt.

Besonders sorgfältig betrachtet die OCG die Folgen der exklusiven Kommerzialisierung von Wissen und Information, angetrieben durch die Interessen großer Monopolunternehmen. Von der Politik abwärts bis zur Schule sieht sich der Verein deshalb verpflichtet, die Entwicklung von Problembewusstsein zu fördern. Dies geschieht auf vielen Wegen und erreicht unterschiedliche Zielgruppen, etwa Wissenschafter oder Jugendliche. In 25 aktiven Arbeitskreisen zu einer breiten Bandbreite an Themen, etwa Privacy oder e-Health, arbeiten Experten an Empfehlungen. Mit Veranstaltungen und Projekten wird Wissen vermittelt. Wettbewerbe für Wissenschafter und Jugendliche fördern innovative Ideen.

Nicht überall stoßen die Forderungen der OCG, in der Politik etwa nach einer "ganzheitlichen Digitalpolitik", auf offene Ohren. Mit der Kritik, dass die Informatik in einigen Lehramtscurricula fehlt, machte sich die OCG nicht nur Freunde. "Ein Schulsystem, in dem Lehrer aller Fächer keine systematische Informatikausbildung erhalten und als IKT-Autodidakten in den Unterricht gehen, kann seinen Zweck nicht mehr erfüllen", unterstreicht Goebl. Gerade heute, wo IKT, also Informations- und Kommunikationstechnik, jeden Lebensbereich betrifft, tritt der Verein dafür ein, dass junge Menschen einen selbstbestimmten, konstruktiv-kritischen Umgang damit lernen.

Ihm geht es darum, Informatik und IKT nicht bloß für alle zugänglich zu machen, sondern durch Wissenschaftlichkeit und seriöse Diskurse ein Problembewusstsein zu schaffen, damit sich der Mensch, 40 Jahre nach den ersten Hobbybastlern, von der IT-Industrie das Heft nicht aus der Hand nehmen lässt.

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