Mit den Augen des Computers

Die Disziplin Visual Computing dient unter anderem der Entwicklung selbstfahrender Autos

Sonja Dries | aus HEUREKA 3/15 vom 01.07.2015

Horst Bischof, Professor am Institut für Computer Graphics and Vision an der TU Graz, befindet sich gerade auf der CVPR 2015 in Boston. 2.800 Menschen, eine Rekordteilnehmerzahl, beschäftigen sich auf dieser Konferenz mit dem Thema Visual Computing.

Die Disziplin ist aus den ursprünglich getrennten Bereichen Computer-Grafik und Computer Vision hervorgegangen. Laut Bischof hat man vor allem in Österreich früh erkannt, in Graz schon 1992 mit Gründung seines Instituts, dass beides zusammengehört. Der Nutzen von Visual Computing ist vielfältig. Kaum eine neue Technologie kommt heute ohne ihm aus.

Neuerdings ist vor allem das autonome Fahren eine Anwendung, bei der Visual Computing benötigt wird. Jeder, der ein Smartphone benutzt, hat eine Visual Computing-Maschine direkt in der Hosentasche. Bilder, die man mit der Kamera macht, werden direkt am Telefon verarbeitet, zum Beispiel, um Gesichter zu erkennen und richtig zu fokussieren.

Die TU Graz arbeitet derzeit an einer Vielzahl von Projekten aus diesem Bereich. Ein Beispiel ist das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Projekt Freeline, das gemeinsam mit der Firma Omicron durchgeführt wird.

Kleine autonome Flugzeuge werden entlang von Hochspannungsleitungen gesteuert, um anhand der gewonnenen Bilder ein 3D-Modell zu erstellen. Mit einem Simulationsmodell wird dann berechnet, wann Bäume und andere Gewächse in der Nähe der Leitung so groß werden, dass sie eine Gefahr durch Schnee- oder Windbruch bedeuten.

Sehr lebensnah ist auch die Forschung von Torsten Möller. Der Professor an der Fakultät für Informatik der Uni Wien leitet die Forschungsgruppe Visualisation and Data Analysis. Sie arbeitet derzeit gemeinsam mit Astronomen daran, verschiedene Sternformationen am Firmament zu finden, oder analysiert mit Statistikern einen mit Computer betriebenen Handel mit Wertpapieren.

Österreichs führende Einrichtung für anwendungsorientierte Forschung im Bereich Visual Computing ist das Kompetenzzentrum VRVi. Segmentierung von CT-Bildern der Wirbelsäule zum schnellen Screenen großer Patientenmengen, die Erhöhung der Stromverbrauchsvorhersagegenauigkeit in Österreich und die realistische Darstellung der Marsoberfläche aus Satellitendaten sind nur einige der zahlreichen Projekte, mit denen sich VRVi beschäftigt.

Warum jede Verbesserung im Visual Computing auch mehr Menschen einen leichteren Zugang zur IT-Technologie bietet, erklärt der Vorstand des Instituts für Computergrafik und Algorithmen an der TU Wien, Werner Purgathofer, so:

"Die Augen übertragen bei Weitem die meisten Informationen von allen menschlichen Sinnen. Damit sind sie auch die effizienteste Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, sofern der Computer damit umgehen kann."

Werner Purgathofer ist auch der wissenschaftliche Leiter des VRVi. Derzeit hofft er mit seinem Team auf eine Verlängerung der Förderung des Kompetenzzentrums für weitere acht Jahre.

Sollte das klappen, möchte man sich dort in der Forschung in Zukunft vermehrt auf die Bereiche Industrie 4.0, Smart Environment, Internet of Things und Biodatenverarbeitung konzentrieren.

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