Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Vor hundert Jahren hat uns Albert Einstein das Licht ausgeblasen. Zumindest die Vorstellungen davon, was Licht eigentlich ist. Mittlerweile kann sich keiner mehr vorstellen, was darunter zu verstehen ist. Ja gut, Welle und Teilchen zugleich, aber was, bitte, soll das bedeuten?

Nicht erst mit Einstein, sondern spätestens mit Kopernikus hat eine Entwicklung begonnen, die Erkenntnisse aus unserer Erfahrung für ungültig erklärt. Wir werden wohl auch wissenschaftlich nachweisen können, dass wir Gott einfach erfunden haben (was allerdings, und das kapieren die Atheisten offenbar nicht, seine allmächtige Wirkungsweise in keiner Weise einschränkt. Wir schätzen, das zeigt die "Natur" am höchsten, und verehren am meisten, was wir selbst erfunden haben).

Das heißt aber, dass unsere Vorstellung, es sei alles irgendwie auf das Eine zurückzuführen, widerlegt ist. Das Universum war schon komplex, bevor es überhaut begonnen hat. Unsere Vorstellungskraft, auf deren Beschränktheit uns Kant aufmerksam macht, bleibt immer weiter hinter der Verwissenschaftlichung der Welt zurück. Ein Zeichen dafür, dass wir mit unserer Anschauung hinter der Entwicklung liegen. Das geht nie lange gut. Entweder sterben wir als Menschen aus, oder wir entwickeln uns weiter. Zu Lichtgestalten?

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