Zellbiologie

Der Kratersee auf Gaua ist der mysteriöse Laichplatz der pazifischen Aale

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Die Fortpflanzung der Aale zählt lange zu den größten Mysterien der Biologie. Die antiken Griechen glaubten, sie entstünden spontan aus Schlamm. Später wähnte man sie als Sprosse von Hautfetzen erwachsener Tiere oder von Pferdeschweifen. Oder man nahm an, dass sie von einem Fisch, den man "Aalmutter" nannte, geboren werden. Denn lange Zeit hatte niemand je laichreife Aale gesehen.

Der Däne Johannes Schmidt entdeckte in den 1930ern, dass die europäischen Aale südlich der Bermudainseln laichen. Wo sich zwei Arten der doppelt so großen pazifischen Aale fortpflanzen, blieb aber rätselhaft. Dies konnte nun Robert Schabetsberger von Fachbereich Zellbiologie der Universität Salzburg zusammen mit internationalen Forscherkollegen und der Hilfe lokaler Fischer auf der Insel Gaua herausfinden.

Die erwachsenen Aale leben dort im Kratersee "Lake Letas". Auf ihrer Laichreise stürzen sie sich über einen 120 Meter hohen Wasserfall hinab und schwimmen in einem reißenden Fluss zum Meer. In diesem Fluss konnten nicht die Forscher, sondern nur die lokalen Fischer passende Aale fangen, die mit Satellitensendern versehen wurden.

Die Aale trugen diese bis 850 Kilometer weit in den Nordosten des Aussetzungspunktes, wo die pazifischen Aale offensichtlich ihre Laichgebiete haben. Ihre blattförmigen Larven driften mit den westwärts gerichteten Meeresströmungen wieder in Richtung der "Heimatinseln". Mit etwa sechs bis zwölf Monaten kommt die neue Aalgeneration nach Gaua, wo der gigantische Wasserfall sie vom Kratersee trennt. Die kleinen Aale klettern zur Überraschung der Wissenschafter zu Tausenden über nasse, steile Felsen neben dem Wasserfall hinauf und gelangen so wieder in den See.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige