Astrophysik

Mars und Mond: Wer zum Mars will, kommt am Mond nicht vorbei

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Es hat 33 Jahre gedauert. Nun heißt es wieder 18 Jahre warten. Dann erscheint der nächste "Blutmond": Vollmond, eine Totalfinsternis und die maximale Nähe des Mondes zur Erde fallen zusammen. Doch bis dahin wird er uns auch weiter beschäftigen. Denn obwohl seit über vierzig Jahren kein Mensch mehr auf dem Mond war und ein bemannter Marsflug bis 2030 geplant ist, lässt uns der Bleiche da oben nicht los.

Woher diese Faszination? "Durch die schiere Nähe. Der Mond ist der zur Erde nächste Himmelskörper", meint Astrophysiker Werner Zeilinger von der Universität Wien. Selbst mit einem Fernrohr von geringer Auflösung können am Mond viele Details erkannt werden. Hinzu kommt der soziokulturelle Aspekt: "Vollmond ist eine Konstellation mit einem psychologischen Effekt, die in Erinnerung bleibt." Das zeigen Statistiken über Unfallhäufungen und die Esoterik-Industrie, Stichwort: Mondkalender.

Werner Zeilinger hält davon nichts. Aber er hat auch mit Forstarbeitern gesprochen: "Sie meinen, dass sich an der Holzqualität zeigt, ob Bäume in bestimmten Mondphasen gefällt wurden." Auch an Phänomenen wie den Gezeiten ist die Beziehung zwischen Erde und Mond erlebbar.

Doch warum war so lange niemand auf dem Mond? Mit den technologischen Möglichkeiten kann das heute doch kein Problem sein. "Irrtum", relativiert Zeilinger. "Im Gegenteil: Für künftige Missionen greift man auf die bewährte Technologie zurück - man kann sich keine Verluste erlauben."

So sollte es auch beim Raumschiff Orion geschehen. Doch US-Präsident Barack Obama strich das noch von George W. Bush verkündete Constellation-Programm. Es sah die Rückkehr des Menschen zum Mond bis 2020 vor und in weiterer Folge die Reise zum Mars. "Es ist zu befürchten, dass damit Know-how und erprobte Technologien verlorengehen."

Was macht den Mars erkundenswert? "Er hat im Unterschied zum Mond eine gewisse Atmosphäre, die mit entsprechenden Hilfsmitteln begrenzte Missionen ermöglicht." Grundsätzlich gebe es drei Argumente für Marsmissionen: "Erstens ein gesellschaftspolitisches: Man zeigt, dass man dazu in der Lage ist. Zweitens ein wissenschaftliches, und drittens ein wirtschaftliches, denn die Ressourcen auf der Erde sind begrenzt."

Als Beispiel nennt Zeilinger Helium 3. Es kommt auf der Erde in natürlicher Form kaum vor.

Dank seiner geringen Radioaktivität ist es ein idealer Ausgangspunkt für die Kernfusion - und wichtig in der Medizin (MRT): "Helium 3 gibt es auf allen Planeten in unserem Sonnensystem. Aber am nächsten zur Erde liegt es am Mond!"

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