Freistetters Freibrief

Fachzeitschriften

Florian Freistetter | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Schafft die wissenschaftlichen Fachzeitschriften ab! Sie erfüllen schon längst nicht mehr die Aufgaben, die sie früher einmal erfüllt haben. Stattdessen verhindern sie den Austausch wissenschaftlicher Informationen und binden finanzielle Mittel, die anderweitig viel besser angelegt sind.

Früher, vor der Internet-Existenz, waren die Fachzeitschriften wichtig. Wer wissen wollte, welche neuen Forschungsergebnisse publiziert worden sind, las die einschlägigen Journale.

Heute recherchiert man online. Früher machte die Trennung zwischen "wichtigen" und "unwichtigen" Zeitschriften einen gewissen Sinn. Niemand konnte alles lesen, was geschrieben wurde. Um einen allgemeinen Überblick zu bewahren, konzentrierte man sich auf relevante Journale wie Nature oder Science, in denen nur die bedeutendsten Ergebnisse publiziert wurden. Heute ist es egal, wo etwas veröffentlicht wird: Eine Suche in der Datenbank erfasst alle Artikel, egal, wo sie erschienen sind.

Will man einen Artikel in einer Fachzeitschrift lesen, muss man dafür bezahlen. Und das, obwohl es sich im Allgemeinen um Forschungsarbeit handelt, die zuvor schon durch Steuergelder finanziert worden ist. Die Öffentlichkeit bezahlt also zweimal: Einmal die Wissenschafter, welche die Arbeit durchführen, und einmal die Verlage, um die Ergebnisse dieser Forschung dann auch lesen zu dürfen. Im schlimmsten Fall sogar dreimal, denn viele Journale verlangen auch Geld, damit man eine Arbeit überhaupt veröffentlichen darf.

Die dafür erbrachten Leistungen halten sich in Grenzen. Die Wissenschafter müssen die Artikel meistens schon druckreif mit fertigem Layout abliefern. Die fachliche Prüfung ("peer review") erfolgt durch die wissenschaftliche Community und wird von den Verlagen nicht bezahlt.

Im Zeitalter von Internet und Onlinedatenbanken sind einzelne Fachzeitschriften sinnlos geworden. All das, was sie angeblich leisten, kann die wissenschaftliche Gemeinschaft heute problemlos selbst leisten und tut das teilweise auch schon (zum Beispiel im Rahmen von Artikel-Datenbanken wie "ArXiv"). Es macht keinen Sinn mehr, an diesen veralteten Relikten festzuhalten: Schafft die Fachzeitschriften ab!

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simple

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