Gastkommentar

Vorbild: Schweiz

Ulrike Diebold | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Laut Aussage des BMWFW wird Österreich im kommenden Jahr für Forschung und Entwicklung 10,1 Milliarden Euro ausgeben. Das ist eine erkleckliche Summe und auch äußerst notwendig für ein Land, das in seiner wirtschaftlichen Entwicklung nicht auf Rohstoffe oder billige Arbeitskräfte setzen kann.

Leider bleibt davon für die Wissenschaft wenig übrig. Über den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF werden etwa 200 Millionen Euro im Jahr ausgeschüttet - das sind knapp zwei Prozent. Der FWF vergibt diese Mittel wie in der Grundlagenforschung international üblich: Forschende reichen Projektanträge ein, die anerkannte ausländische Fachleute anonym nach wissenschaftlicher Exzellenz beurteilen. Die besten Ideen werden finanziert, wobei der Großteil der Gelder in Gehälter von Doktoranden oder Post-docs fließt.

Dieses kompetitive Vergabesystem hat sich international bewährt. Auch wenn es weh tut, wenn ein Antrag wegen schlechter Fachgutachten abgelehnt wird, ist es der beste Weg. Allerdings funktioniert es nur, solange der Kuchen, um den wir uns raufen, nicht zu klein wird. Wenn die Genehmigungsquote unter zwanzig Prozent fällt - und dem nähert sich der FWF - läuft das System aus dem Ruder. Die Mangelverwaltung führt dazu, dass die innovativsten, weil riskantesten Projekte abgelehnt werden. Sie wirft Spitzenforscher aus dem internationalen Wettbewerb, und junger Nachwuchs bleibt auf der Strecke.

Dies ist für die Forschung und Entwicklung in Österreich insgesamt tragisch, nicht nur für die einzelnen Forscher. Alle bahnbrechenden technologischen Fortschritte, vom Navi bis zum iPhone, beruhen auf den Grundlagen und Erkenntnissen, die von Wissenschaftern erarbeitet werden. Wenn man fast ausschließlich in angewandte Forschung investiert und sich darauf verlässt, dass Steuervorteile für Firmen schon wesentliche Neuerungen bringen werden, lässt man diese Wurzeln verkümmern.

Der Vergleich mit der Schweiz, wo der dem FWF entsprechende Nationalfonds jährlich ein Vielfaches an Mitteln (derzeit 850 Millionen Schweizer Franken) vergibt, sollte unsere Politiker nachdenklich stimmen. Die Spitzenstellung unseres Nachbarlandes in der internationalen Wissenschaft geht einher mit seiner unbestreitbaren Vorreiterrolle in den Innovationen. Dabei bedarf es nur einer leichten Umschichtung, sodass der FWF vom Forschungsbudget ein paar Prozent mehr erhält - und Österreich ist auf dem richtigen Weg.

Ulrike Diebold Physikerin an der TU Wien, Wittgensteinpreisträgerin 2013

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