Robotik

Selbstlernende Roboter zeigen: Geist und Körper sind aufeinander bezogen so zu betrachten

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/15 vom 14.10.2015

Versieht man Roboter mit neuronalen Netzwerken, können sie eine selbstbestimmte Entwicklung durchlaufen. Wie Kinder, die ihren Spieltrieb ausleben und dabei gewisse Verhaltensweisen hervorbringen.

Die Maschinen des Computerforschers Ralf Der vom Max-Planck-Institut in Leipzig lernen etwa zu krabbeln und zu gehen, an Kurbeln zu drehen und mit anderen Robotern zusammenzuarbeiten. Momentan sind das nur Computersimulationen. "Wir haben aber nachgewiesen, dass man mit diesen neuronalen Netzwerken auch reale Maschinen betreiben kann", erklärt Der.

Die neuronalen Netzwerke seiner Roboter bestehen aus Synapsen und Nervenzellen, die in einem sensomotorischen Kreislauf mit dem Körper verdrahtet sind. "Es funktioniert wie bei uns Menschen: Wenn wir etwas mit den Augen aufnehmen, wird das Signal ans Gehirn geleitet, verarbeitet und in eine Muskelbewegung umgesetzt."

"Solche Simulationen haben ergeben, dass es ein Fehler wäre, Geist und Körper getrennt zu betrachten. Nur mit Bick auf beide lassen sich effektive Bewegungsformen entwickeln. "Schließlich haben sich in der Evolution der Menschen auch Gehirn und Körper gemeinsam entwickelt. Einer wäre ohne den anderen nicht vorwärts gekommen."

Der will mit seiner Forschung Maschinen kreieren, die ihre Entfaltungsmöglichkeiten selbst erkennen und dadurch besonders energieeffizient arbeiten können. "Wir versuchen aber auch, anhand der Roboter zu verstehen, wie unsere eigene Entwicklung stattfand."

Ein Mensch sei letztendlich auch nichts anderes als eine biochemische Maschine. Sie unterliegt den Naturgesetzen, kann sich aber dank ihres Spieltriebs recht frei entfalten.

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