Kognitionsbiologie

Rabenfreunde kooperieren. Solange man sie nicht legt

Wenn jedoch einer der Raben den anderen um sein Futter betrügt, ist es mit der Zusammenarbeit vorbei

JOCHEN STADLER | aus HEUREKA 5/15 vom 04.11.2015

Mist", dachte sich wohl der junge Rabe, als die Schnur durch die Ösen der Futterplattform glitt und diese samt zwei Käsestückchen außerhalb seiner Schnabelreichweite blieb. Schließlich entdeckten er und seine Kumpane aber, dass sie nur zusammenarbeiten müssen, um an die Leckereien zu kommen. Der Faden hatte nämlich zwei, ein wenig voneinander entfernt liegende Enden. Zieht man an ihnen aber gleichzeitig, dann wandert die Käseplatte genau vor den Schnabel.

"Die Raben haben diese Aufgabe ohne vorheriges Training durch Kooperation erfolgreich gelöst", berichten Forscher um Jorg Massen vom Institut für Kognitionsbiologie der Uni Wien. Die Vögel kooperierten dabei am liebsten mit Freunden. Auch waren sie mit diesen auch erfolgreicher als mit ungeliebten Artgenossen. Konnten sie ihre Partner frei wählen, kamen die Vögel bei zwei von drei Versuchen an den Käse, bei festgelegten Teams im Schnitt nur bei jedem dritten.

Auf einen Partner zu warten, war den Vögeln aber fast unmöglich. Kam ein zweiter Rabe erst dazu, wenn die Platte außerhalb des Käfigs längst gedeckt war und die beiden Schnurenden in den Käfig ragten, zog der erste Vogel in mehr als 98 Prozenten der Fälle an einem Ende, ohne auf den zweiten zu warten, und vermasselte somit jegliche Chance auf eine Mahlzeit.

Hie und da prellte einer der Raben den anderen um den Erfolg und schnappte sich keck beide Käsestückchen. "Die Opfer solch unfairen Verhaltens merkten sich den Vorfall und boykottierten in der Folge die Zusammenarbeit mit diesen Individuen", erklärt Jorg Massen. Eine so ausgereifte Art und Weise, seinen Partner in Schach zu halten, habe man bislang nur von Menschen und Schimpansen gekannt, meint der Forscher.

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