Abfallwirtschaft

Nano gibt es jetzt auch schon im Abfall. Zum Beispiel in den Resten von Sonnencremes

SONJA BURGER | aus HEUREKA 5/15 vom 04.11.2015

Trojanische Pferde kennt man aus der Mythologie und der Informatik. Das Bild vom hölzernen Pferd, in dem feindliche Soldaten nach Troja eingeschleust wurden, illustriert für Florian Part vom Institut für Abfallwirtschaft an der BOKU Wien am besten, woran er forscht. Den Soldaten entsprechen Nanomaterialien wie nanoskaliges Titandioxid in Sonnencremes. Ihre Ummantelung mit organischen oder anorganischen Materialien entspricht dem Holzpferd.

Dieser Trick, um die besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien aufrecht zu erhalten, bereitet der Abfallwirtschaft Kopfzerbrechen. Denn die Entsorgung von stabilen Nanomaterialien ist problematisch. Außerdem sie sind schwierig zu entdecken - mit Ausnahme von Quantenpunkten. "Das sind nanoskopische Materialstrukturen aus Halbleitermaterialien, die fluoreszieren und sich daher gut aufspüren lassen", erklärt Part. Mithilfe von Sickerwasserproben aus Mülldeponien hat er für seine Dissertation ihr komplexes Umweltverhalten studiert. Quantenpunkte haben den Ergebnissen zufolge das Potenzial zu Modell-Nanopartikeln.

Aktuell ist kaum bekannt, wie sich Nanomaterialien in Abfällen verhalten. Das stellte Part gemeinsam mit Marion Huber-Humer zuvor im Projekt "NanoMIA" fest. Unter der Leitung der Professorin für Globale Abfallwirtschaft wurde mit dem Institut für Technikfolgenabschätzung der ÖAW eine umfassende Übersicht über die am heimischen Markt befindlichen Nanomaterialien geschaffen. "Anhand von Materialflussanalysen haben wir anschließend untersucht, welche Wege verschiedene Nanomaterialien bei der Entsorgung einschlagen", sagt Huber-Humer. Um frühzeitig erkennen zu können, ob das Innenleben Trojanischer Pferde harmlos ist oder nicht, muss noch viel geforscht werden.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige