Gastkommentar

Flüchtlinge und Unis: MORE

HEINRICH SCHMIDINGER | aus HEUREKA 5/15 vom 04.11.2015

Die Universitäten Österreichs haben ihre Initiativen zur Unterstützung der Flüchtlinge und Asylsuchenden unter den Begriff MORE gestellt. Dieses Wort drückt aus, worum es geht: So sehr es notwendig ist, den Frauen, Männern und Kindern, die auf der Flucht zu uns kommen, unmittelbar und konkret zu helfen - mit Unterkunft, Verpflegung, Kleidung, Betreuung, Geld und anderem mehr -, so wenig kann es dabei bleiben.

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Er bedarf genauso der geistigen Ansprache, die ihm Zuversicht in die Zukunft gibt. Vor allem aber bedarf er der Anerkennung und Hochschätzung -als Person mit Würde, Herkunft, Biografie, Erfahrung, Überzeugung und Kultur.

Die Universitäten, allesamt angehalten, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, gehen von diesem unabdingbaren MORE in der Begegnung mit den Hilfesuchenden aus. Damit tun sie auch das, was ihnen auf den Leib geschrieben ist bzw. von ihnen erwartet werden darf. Ihre Rolle ist nicht jene einer Heilsarmee, die sich um den Empfang, die Betreuung und die Versorgung der Flüchtlinge zu kümmern hat. Dies ist Aufgabe der öffentlichen Hand sowie der sozialen und karitativen Organisationen.

Die Universitäten beteiligen sich an der Integration mit dem, wozu sie speziell zuständig sind: für Bildung, Ausbildung, Vermittlung von Kompetenzen und Einbeziehung in kritische Diskurse. Eben dadurch reagieren sie im Rahmen ihres gesellschaftlichen Auftrags auf die unabsehbaren und nachhaltigen Veränderungen, die mit den globalen Migrationen in unserer Kultur und Gesellschaft einhergehen. MORE lebt schließlich aus der Überzeugung, dass die Flüchtlinge dort, wo sie ankommen, etwas zu geben haben. Es ist bei Weitem nicht so, dass nur wir geben, indem wir ihnen die dringend notwendige Hilfe bieten. Die Flüchtlinge bringen mit und geben uns: ihre Erfahrungen, Kulturen und Kompetenzen. Dies anerkennend, wollen die Universitäten Räume sein, in denen die Asylsuchenden sich mitteilen und einbringen können.

Der so viel geforderte Dialog auf Augenhöhe findet hier in besonderer Weise statt. Womit einmal mehr ein Beitrag der Universitäten zum öffentlichen Leben unserer Gesellschaft zum Tragen kommt, nämlich durch Dialog und kritische Diskurse angstbesetzte Themen und Herausforderungen in rationale und bewältigbare Bahnen zu lenken und für politische Bildung und ethisches Empfinden zu sorgen.

www.tonefink.at

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