Medizin

Milliardenteure Medizin

AKH Wien und MedUni Wien brauchen in den kommenden acht Jahren Investitionen von rund 2,2 Milliarden Euro

DIETER HÖNIG | aus HEUREKA 5/15 vom 04.11.2015

Die MedUni Wien befinde sich in einer kritischen Situation, warnten jüngst ihr neuer Rektor Markus Müller, sein Vorgänger Wolfgang Schütz sowie MedUni-Ratsvorsitzender Erhard Busek. Allein zum Erhalt des Status quo brauche man gegenüber der letzten Leistungsvereinbarungsperiode um 200 Millionen Euro mehr.

Das liege unter anderem an der Budgetstruktur: "Wir haben, gemessen am Gesamtbudget, den höchsten Personalstand aller Unis in Österreich. 90 Prozent des Budgets werden nur für Gehälter aufgewendet", sagt Schütz.

Steigerungen in diesem Bereich könnten deshalb kaum anderweitig aufgefangen werden. Um dem Alterungsprozess des mittlerweile in die Jahre gekommenen Neuen AKH Wien entgegenzuwirken, besteht zudem für die nächsten Jahre ein Investitionsbedarf von rund zwei Milliarden Euro.

Verschärfend kommt noch hinzu, dass mit Ende 2015 die seit 2005 gültige Vereinbarung mit der Stadt Wien und dem Bund zum klinischen Mehraufwand (KMA) für Investitionen im AKH ausläuft. Das sind jene Mehrkosten, die der Bund den Ländern ersetzt, da an den Uni-Kliniken neben Patientenversorgung (Länder-Zuständigkeit) auch Lehre und Forschung (Bundes-Zuständigkeit) betrieben werden. Die Beträge wurden seither nicht valorisiert und bringen nun das AKH Wien in zusätzliche Bedrängnis.

Rektor Markus Müller befürchtet ohnehin, dass die MedUni Wien oft nur als lästiger Kostenfaktor gesehen wird. Natürlich verursache sie hohe Kosten. Studien aus dem Ausland würden aber zeigen, dass die Universitätsmedizin auch eine hohe Umwegrentabilität hat.

"In der Patientenversorgung spielen wir eine systemrelevante Rolle. Und um im Bankenjargon zu bleiben: Wir sind too big to fail." Es bestehe aber die Gefahr, dass etwa der Forschungsbereich unterdotiert werde.

Das veraltete AKH Wir führten ein Gespräch mit Markus Müller, dem neuen Rektor der Med-Uni Wien. Thema sind seine Vorhaben als Rektor und die Situation am AKH Wien:

Falter Heureka: Es gibt bislang keine formale Koordiniation zwischen der MedUni Wien und dem AKH Wien. Werden Sie hier etwas unternehmen?

Markus Müller: Es wird in jedem Fall eine bessere Koordination geben, und zwar entweder formal über einen Zusammenarbeitsvertrag oder informell über ein neues, gemeinsames Steuerungsgremium von AKH Wien Direktor Herwig Wetzlinger und von Oswald Wagner, dem Vizerektor für klinische Angelegenheiten an der Med-Uni Wien. Eine echte gemeinsame Betriebsführung ist leider, auch auf Wunsch der beiden Träger des AKH und der MedUni Wien, nämlich dem Bund und der Stadt Wien, nicht vorgesehen.

Das AKH hat für die nächsten acht Jahre einen Investitionsbedarf von fast zwei Milliarden Euro im Bauund Gerätebereich. Was, wenn dieses Geld nicht aufgebracht wird?

Müller: Das würde eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und ein Abrutschen in internationalen Vergleichen bedeuten.

Als Vizerektor waren Sie die letzten Jahre für Forschung zuständig. Wo sehen Sie hier die größten Herausforderungen?

Müller: Im Forschungsbereich liegt die größte Herausforderung für die Med-Uni Wien darin, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu bedarf es vor allem einer konkurrenzfähigen Infrastruktur, und hier im Besonderen für den Bereich der personalisierten Medizin.

Das AKH soll nach mittlerweile 40 Jahren komplett veraltet sein

Müller: Das AKH Wien wurde Anfang der 1990er Jahre eröffnet. Aber es stammt konzeptionell noch aus den 1970er Jahren. Vor zwanzig Jahren war es zweifellos das Maß aller Dinge. In den letzten fünfzehn Jahren wurde allerdings nicht mehr ausreichend investiert, um das Krankenhaus zeitgemäß weiter zu entwickeln.

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