Drohnen für den Transport

Afrika ändert sich schnell. Neue Technologien machen manche Entwicklungsschritte wie in Europa womöglich überflüssig

GERTRAUD ILLMEIER | aus HEUREKA 5/15 vom 04.11.2015

Wer sich mit Afrika-Experten unterhält, dem wir eines klar: Wir sind das Problem, nicht Afrika. Ginge es nach uns, sollte der "dunkle Kontinent" auch dunkel bleiben. "Afrika, das sind die armen Menschen dort. Sie dürfen nur nicht frech werden, sondern müssen dankbar sein", beschreibt Walter Sauer, Professor für Wirtschafts-und Sozialgeschichte der Universität Wien, die gängige Gefühlslage hierzulande. Sauer steht auch dem aus der Anti-Apartheit-Bewegung in Österreich hervorgegangenen Verein Dokumentations-und Kooperationszentrum Südliches Afrika vor.

Zwei Afrika-Diskurse seien auszumachen. Der eine der Katastrophendiskurs, der andere die Romantik: die schönen, wilden Tiere und die Menschen, die nah an der Natur leben. "Das Statische ist das Problem", betont Sauer. "Wir übersehen die Moderne und die Dynamik in den Städten." Mit dieser Ansicht ist er nicht allein (siehe Interview). Innovation ist also angesagt, und zwar in unserem Denken. Walter Schicho vom Institut für Afrikanistik liegt es fern, die Situation schönzureden. Innovationen in Afrika seien schlichte Dinge:

Etwa, wenn es einem Mechaniker an einem Straßenrand in Kenia gelingt, Autos wieder zum Fahren zu bringen, die jeder Mechaniker bei uns längst für irreparabel erklärt hätte. "Innovationen, die der Knappheit der Güter und der Not entspringen, sind an der Tagesordnung", sagt Schicho. "Man muss innovativ sein, um in einem Slum zu überleben." Ebenso sei Migration von Innovation geprägt. "Die Menschen, die migrieren, sind die Innovativen. Sie nehmen viel in Kauf."

Eine afrikanische Besonderheit sei die Betonung des Kollektivs, die Idee einer "Wir-Kultur". Ein Gegensatz zur westlichkapitalistischen "Ich-Kultur", erklärt Schicho. Kollektiv bedeute allerdings nicht automatisch auch demokratisch und egalitär: Frauen und junge Menschen bleiben vielerorts von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Das "Wir-Konzept" zeige sich auch bei Strategien zur Konfliktbewältigung. So meinen die beiden Experten, die Südafrikanische Wahrheits-und Versöhnungskommission könnte der Welt als Vorbild dienen. Sie arbeitete unter der Leitung des anglikanischen Erzbischofs Desmond Tutu zwei Jahre lang schwere, unter dem Apartheitsregime (1948-1994) begangene Menschenrechtsverletzungen auf.

Dabei ging es nicht um Bestrafung, sondern um Wahrheitsfindung und darum, einen kollektiven Versöhnungsprozess in Gang zu setzen. Täter wie Opfer sollten in einen Dialog treten und die Täter zu einem öffentlichen Geständnis bewegt werden. Zeigten sie sich kooperativ und entschuldigten sie sich für ihre Verbrechen, wurden sie amnestiert.

Vielen Opfern reichte das nicht. Dennoch: Die Kommission hat das Fundament für eine gemeinsame Zukunft gelegt, ist der Afrikaexperte Sauer überzeugt. "Es hatte eine reinigende Wirkung."

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