Biologie

Klein, aber oho: Die Mini-Urpferde gebaren in der Urzeit wie die heutigen Rösser

Jochen Stadler | aus HEUREKA 6/15 vom 25.11.2015

Die kleine Urpferd-Stute stand kurz vor der Geburt ihres Fohlens. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. "Vermutlich wurde sie beim Trinken von einem Alligator ins Wasser gerissen oder versank von Vulkangasen betäubt darin", erklärt Christine Aurich vom Department für Kleintiere und Pferde der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Die hoch trächtige Mähre sank auf den Grund des Sees, der dort damals war. Ihr Skelett sowie das ihres ungeborenen Fohlens wurden gut konserviert. Sogar Weichteilstrukturen von Mutterkuchen und Gebärmutter sind noch erkennbar.

Aurich hat mit Kollegen vom Senckenberg-Institut Frankfurt nun die im Jahr 2000 in einer ehemaligem Ölschiefer-Abbaustätte bei Frankfurt, der sogenannten Messel-Grube, gefundenen Fossilien mit hochauflösenden Röntgenstrahlen und Elektronenmikroskopie untersucht.

"Der Schädel des Fötus ist zerdrückt und das linke Vorderbein ist nicht mehr komplett, aber alle anderen Knochen liegen in ihrer Position und sind auch so im Skelett verankert, wie bei dem gerade verstorbenen Tier", so Aurich. Aus der Lage im Mutterleib und dem fortgeschrittenen Verknöcherungsstatus des fötalen Skeletts könne man schließen, dass die Geburt kurz bevorstand.

"Dieses Fossil unterscheidet sich in vielen Dingen von einem heutigen Pferd", sagte sie. Die Urpferde hatten als erwachsene Tiere gerade einmal dreißig Zentimeter Schulterhöhe, wogen fünf bis sechs Kilogramm, und hatten andere Schädel-und Fußformen als ihre heutigen Verwandten.

"Der Mutterkuchen und die Gebärmutter des Urpferds sind aber anatomisch jenen von heutigen Pferden sehr ähnlich", erklärt die Forscherin. Von diesen Gemeinsamkeiten und dem Umstand, dass das Fortpflanzungssystem schon vor 48 Millionen Jahren so hoch entwickelt war, habe man bis dato nichts gewusst.

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