Geschichte

Historische Migrationsforschung: Wohin es die Eliten des 19. Jahrhunderts verschlug

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 6/15 vom 25.11.2015

18.000 Kurzbiografien von Personen, die auf dem Gebiet der Monarchie geboren wurden, gewirkt haben und zwischen 1815 und 1950 gestorben sind: Das von der Akademie der Wissenschaft herausgegebene Österreichische Biographische Lexikon (ÖBL) steht zwar schon jetzt online, doch die Daten bergen mehr Informationen in sich, als punktuelle Abfragen preisgeben.

"Wir haben Metadaten wie Sterbe- und Geburtsdaten, und auch Angaben zum Geschlecht, doch viele Informationen dazwischen sind nicht systematisch und vergleichend abfragbar", sagt Eveline Wandl-Vogt. "Mit dem ÖAW-Projekt APIS (Austria Prosopographical Information System) wollen wir zusammengehörige Informationen durch die Methoden der Computerlinguistik semantisch verknüpfen."

Bis 2019 sollen nicht nur die einzelnen Einträge im ÖBL vergleichbar werden, auch das Lexikon als Ganzes soll sich in internationale Digitalprojekte wie etwa EUROPEANA einfügen.

Wanderungsbewegungen gesellschaftlicher Eliten im 19. und frühen 20. Jahrhundert werden dann sichtbar: Gab es Bewegungen nicht nur von der Peripherie ins Zentrum, sondern auch vom Zentrum in die Peripherie? Fragen wie diese sollen beantwortet werden. Auch Einzelpersonen kann man durch die semantische Erschließung besser untereinander vergleichen.

Auch wenn dafür keine speziellen Rechner nötig sind, wird nicht alles der Computer schaffen. Wenn es etwa um gleichlautende Ortsnamen geht, sind manuelle und intellektuelle Überarbeitungen nötig -"'Kirchberg' ist so ein Beispiel", sagt Wandl-Vogt. Mehrere Praktika sowie eine Doktorandenstelle werden dafür vergeben. Die Ergebnisse sollen - "möglichst gratis" - allen zur Verfügung stehen. www.oeaw.ac.at/acdh/en/apis

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