JungforscherInnen

Das uni: docs-Programm der Universität Wien fördert exzellente DoktorandInnen drei Jahre lang. Hier stellen wir drei von ihnen vor.

Uschi Sorz | aus HEUREKA 6/15 vom 25.11.2015

Beatrice Immelmann, 31, Institut für Kunstgeschichte

"Ich arbeite ungern nur mit dem Kopf", sagt Beatrice Immelmann. "In der Kunstgeschichte kann der Forschungsgegenstand sehr sinnlich sein." Ihre Arbeit "Vibrationskonzepte in kunsttheoretischen Diskursen von 1725 bis 1925" bringt gleich mehrere ihrer Interessen zusammen: Bildende Kunst, Tanz, Musik und Literatur. Ursprünglich ein Fachbegriff der Optik und Akustik, fand die "Vibration" im 18. Jahrhundert Eingang in Überlegungen zur Wahrnehmung der Sinnesreize Sehen und Hören und deren Beurteilung als angenehm oder unangenehm. "Ein Tertium comperationis also für die Wirkung von Farbe, Klang und Gestik", erklärt Immelmann. " Wassily Kandinsky etwa sprach in seinem Manifest zur theoretischen Fundierung der abstrakten Malerei von Seelenvibrationen."

Gino Poosch, 31, Institut für Religionswissenschaften

"Ich verstehe Religionswissenschaften als kulturwissenschaftliche und nicht als theologische Disziplin", sagt Gino Poosch, der die Wahrnehmungsgeschichte des Sufismus in Europa vor dem Hintergrund der im 19. Jahrhundert einsetzenden Diskurse über Mystik und religiöse Erfahrung untersucht. Der mit einer Steirerin verheiratete Berliner ist auch Kommunikationswissenschafter, aber erst der Kontakt mit der Religionswissenschaft hat seinen Blick für kulturelle Räume außerhalb Europas geöffnet. Auf weiten Reisen weckte die islamische Spiritualität seinen Forscherdrang. "Ich fragte mich, warum sich der Diskurs über den Sufismus so sehr von jenem über andere islamische Strömungen unterscheidet. Es zeigte sich, dass der Sufismus von jeher Projektionsfläche für westliche Imaginationen war, etwa esoterisch-okkulte."

Ferdinand Kühnel, 31, Institut für Osteuropäische Geschichte

"Die Vergangenheit zu sezieren hat mich immer interessiert", sagt Politikwissenschafter und Historiker Ferdinand Kühnel. "Mit Geschichte kann auch Politik gemacht werden." Nun beschäftigt er sich mit einer Politik, die seit 1918 zum sukzessiven Zurückdrängen der slowenischen Identität in Kärnten geführt hat. Besonders markant manifestiert sich das in der Eindeutschung slowenischer Namen und Inschriften auf Grabsteinen. "Ich untersuche den Umfang dieser Eindeutschungen, die Beweggründe , eine zeitliche Korrelation mit bestimmten Ereignissen und die Frage, inwieweit die ethnische Homogenisierung hier gelang." Zufällig sei die Eindeutschung nicht. "Sie ist Resultat einer Politik gegenüber den Kärntner SlowenInnen, die, milde ausgedrückt, nicht gerade von Entgegenkommen zeugt."

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