Eine neue Vision des Umweltschutzes

In Großbritannien versucht ein Pionierprojekt eine neue Form des Menschen- und Naturschutzes durchzusetzen

Barbara Gratzer | aus HEUREKA 6/15 vom 25.11.2015

Der "Blaue Neue Deal" ist ein Pionierprojekt in Großbritannien. Dieser New Deal der Meere strebt marinen Umweltschutz unter der Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Bedürfnisse an. Das Konzept basiert auf dem Dialog zwischen den küstenbewohnenden Lebensgemeinschaften, Umweltschützern und Politikern.

Die treibende Kraft des Projekts ist die New Economics Foundation NEF, ein interdisziplinär arbeitender Think-and-Do-Tank mit Sitz in London. "Wir befinden uns gerade mitten in einem weltweiten Strukturwandel des Umweltschutzes. Er strebt den Konsens an und arbeitet nicht mit negativen Beispielen oder Aggression", sagt die Projektkoordinatorin Fernanda Ballata. "Wir zeigen auf, dass es nicht nur theoretisch möglich ist, Umweltschutz und Ökonomie zu vereinbaren, sondern wie viele bestehende Projekte es bereits gibt, die interdisziplinär denken und arbeiten."

Bisher arbeitet der Blaue Neue Deal landesweit mit knapp zwanzig Pionierprojekten aus den Bereichen Fischerei, Tourismus und Naturerfahrung, erneuerbare Energien und innovatives Küstenmanagement. Das erste Projektjahr hat Ballata damit verbracht, Probleme auf sozialer und umweltspezifischer Ebene herauszuarbeiten und miteinander zu verknüpfen. "Beispielsweise gibt es eine Verbindung von Überfischung und überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit in Küstengebieten."

In den folgenden zwei Projektjahren werden allgemeine Lösungsansätze und Förderungen in engem Kontakt mit den bestehenden Projekten erarbeitet und vorgestellt werden. So könnten durch Quotenregelung und nachhaltige Aquakulturen in Zukunft mehr und bessere Arbeitsplätze geschaffen werden. Das sollte Zukunftsperspektive und damit das Wohlbefinden und den Lebensstil der Küstenbewohner nachhaltig positiv beeinflussen.

"Abgesehen davon könnten sich die Fischbestände erholen, was langfristig zu mehr Fisch und weniger Import führt."

Eine weitere Wechselbeziehung zwischen Problem und Lösung ist im Bereich des Energieverbrauchs sichtbar. England bezieht bis heute 86 Prozent seines Energieverbrauchs aus fossilem Brennstoff. In den kommenden Jahren könnten laut NEF bis zu 80.000 Jobs mit dem Ausbau von erneuerbaren Energien generiert werden. Ein herausragend positives Beispiel dafür ist das weltweit erste und in Kürze fertiggestellte Gezeitenkraftwerk in Swansea Bay in Wales. Es erzeugt Energie für 155.000 Haushalte. Außerdem soll es auch andere Industriezweige wie Tourismus und Küstenschutz fördern.

Laut NEF biete ihr Konzept eine Chance, der Natur mit all ihren Veränderungen besser zu entsprechen und darüber hinaus auch eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber ökonomischen und umweltspezifischen Herausforderungen zu etablieren. "Dies gewährleistet mehr und bessere Jobs", sagt Ballata. Und eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln sowie Energie. Das sollte zu einer gesünderen, nachhaltigeren Lebenshaltung führen."

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