Editorial

CHRISTIAN ZILLNER | aus HEUREKA 6/15 vom 25.11.2015

Im Mai des Jahres ging Corinthian Colleges bankrott. Es war die zweitgrößte, profitorientierte Hochschule der USA. Vor ihr lag nur die University of Phoenix. Diese hatte Hunderttausende von Studierenden in ihren Büchern stehen und lukrierte pro Jahr Milliarden US-Dollar. Die profitorientierte tertiäre Ausbildung galt als das Zukunftsmodell der höheren Ausbildung in den USA. Jetzt geht ihr die Luft aus. Die Studierendenzahl in Phoenix ist auf die Hälfte geschmolzen, andere profitorientierte Universitäten haben ähnliche Probleme. Gründe: Sie sind viel teurer als andere Hochschulen. Die meisten ihrer Studierenden sind hoch verschuldet (96 Prozent haben Kreditschulden für die Ausbildung von durchschnittlich 40.000 US-Dollar). Und laut einer Studie der Ökonomen Adam Looney und Constantine Yannelis ist die Dropout-Rate dreimal höher als an anderen Unis. Eine Untersuchung der US-Behörden von 15 profitorientierten Colleges 2010 ergab, dass alle 15 irreführende oder zumindest fragwürdige Behauptungen darüber aufstellten, wie die Chancen der Absolvierenden am Arbeitsmarkt aussehen. Die Idee, möglichst vielen, auch berufstätigen Menschen Zugang zur tertiären Bildung zu ermöglichen, wird wohl nur in besseren öffentlichen Unis realisierbar sein.

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