ÖKO SYSTEMFORSCHUNG

Mordopfer an österreichischer Grenze ist Nachfahre indischer Migranten

Das Erbgut seiner Magenbakterien verraten Ötzis Herkunft. Auch, dass er wohl unter chronischen Bauchbeschwerden litt

Jochen Stadler | aus HEUREKA 1/16 vom 06.04.2016

Vor 5.300 Jahren wurde Ötzi durch einen Pfeilschuss in den Rücken in Südtirol nahe der österreichischen Grenze ermordet. Er hatte wohl Migrationshintergrund. Seine Magenbakterien namens "Helicobacter pylori" ähneln heute in Indien verbreiteten Populationen, berichten Wiener Forscher in Science. Außerdem verursachten sie ihm vermutlich Bauchschmerzen. "Diese Mikroben begleiten die Menschheit schon seit mindestens 100.000 Jahren", erklärt Thomas Rattei, Mikrobiologe und Ökosystemforscher an der Uni Wien. Jeder Zweite trägt sie heute im Verdauungstrakt. Bei zehn Prozent der Infizierten führt das zu Magengeschwüren, manchmal auch zu Krebs. Die Wissenschafter wiesen in Ötzis Magen den Helicobacter-Typus nach, der Magenschleimhautreizungen hervorruft. Außerdem fanden sie körpereigene Eiweißstoffe, die das Immunsystem bei Entzündungen ausschüttet.

Das Erbgut der Bakterien hatte sich biochemisch verändert. "Mit recht großem Aufwand konnten wir die Veränderungen korrigieren und das zerstückelte Genom rekonstruieren. Wir haben im Eismann einen Typ von Helicobacter-Genom nachgewiesen, den wir heute noch in Asien unverfälscht wiederfinden und der in nordindischen Populationen von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben wird." Die Bakterien stützen also Theorien, wonach Einwanderer aus Asien bei der Besiedelung Europas eine zentrale Rolle spielten.

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