ZOOLOGIE

Von der Plage zum Helden

Die Gambia-Riesenhamsterratte spürt Landminen auf

Sonja Dries | aus HEUREKA 1/16 vom 06.04.2016

Sie sind unhygienisch. Übertragen Krankheiten. Vermehren sich rasend schnell. Ratten eben. Auch die Gambia-Riesenhamsterratte galt lange als Plage. Mittlerweile sind die bis zu vierzig Zentimeter langen und bis zu zwei Kilogramm schweren Nager Helden. "Hero Rats" wie sie die belgische Non-Profit Organisation Apopo nennt. Sie züchtet und trainiert sie zum Aufspüren von Landminen. 69.289 Landminen und Blindgänger entdeckten die Ratten bisher. 26.455 Quadratmeter Land wurden wieder bewohnbar gemacht. Mosambik kann sich seit 2015 sogar minenfrei nennen.

Die Idee kam Bart Weetjens während seines Studiums. Er beschäftigte sich mit Landminen und erfuhr, wie gefährlich und kostspielig ihre Räumung war. Weetjens erinnerte sich an die Lernfähigkeit sowie den außergewöhnlichen Geruchssinn seiner Haustierratten und entwickelte die Idee der Hero Rats. Sie sind leicht genug, um Minen bei der Suche nicht auszulösen und intelligent genug, um für das Aufspüren trainiert zu werden.

Heute hat Apopo sein Headquarter in Tansania. Die Ratten sind in verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens tätig. Ihr Training beginnt im Alter von fünf Wochen. Bei ihrer Arbeit werden sie in einem Geschirr an einer Art Angel befestigt und über die vermeintlich verminten Bereiche geführt. Riechen sie TNT, kratzen sie am Boden oder drehen sich im Kreis und warten auf ihre Belohnung. Mit einem Detektor wird der Fund noch einmal überprüft und die gefundene Mine kontrolliert gesprengt.

Was 25 Arbeitsstunden mit einem Metalldetektor braucht, schaffen die Ratten in 20 Minuten. Mittlerweile werden sie nicht mehr nur zum Aufspüren von Minen benutzt, sondern erschnüffeln auch Tuberkulose. In den Partnerkliniken konnte die Rate der erkannten Fälle bereits um 40 Prozent gesteigert werden. Von der Plage zum Helden, die Gambia Riesenhamsterratte hat es geschafft.

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