KOGNITIONSBIOLOGIE

Wenn Ameisen im Tandem marschieren

Dann ist das mobiler Unterricht. Die Gattung Temnothorax lehrt so Artgenossen den Weg zu einem neuen Bau

SaBine edith Braun | aus HEUREKA 1/16 vom 06.04.2016

"Lange glaubte man, Tiere können voneinander lernen, aber nicht lehren. Aber sie tun es doch!", sagt Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien. "Es sind aber kleine Tiere." Etwa Ameisen der Gattung Temnothorax.

Sie leben in kleinen Kolonien in Felsspalten. Trocknen diese aus, machen sich Scouts auf die Suche nach einer neuen. Finden sie eine, kommen sie zurück, rekrutieren ein neues Gruppenmitglied und lehren es den Weg zum neuen Lebensraum.

"Die Art, wie dies geschieht, beweist, dass Ameisen tatsächlich lehren."

Dabei müssen sich Tiere nicht in den anderen hineinversetzen können. "Der Demonstrator modifiziert sein Verhalten so, dass einem naiven Artgenossen das Lernen erleichtert wird. Diese Modifikation muss dem Demonstrator etwas kosten -wogegen der Schüler einen unmittelbaren Nutzen hat, indem er tatsächlich schneller lernt als jene, die keine Demonstration bekommen."

Es kommt zum Tandemlauf. Dabei dockt der "Schüler" mit seinen Antennen am Scout an. "Der Kostenfaktor? Die verlorene Zeit. Denn der Tandemlauf ist sehr langsam."

Jede Ameise, der der Weg zum neuen Felsspalt beigebracht wurde, kann ihrerseits ein Mitglied an sich andocken lassen. Das geht so lange, bis etwa die Hälfte der Kolonie den neuen Weg kennt. Für die restlichen Mitglieder ist es nicht mehr wichtig, ob sie den Weg kennen. Denn sie werden getragen.

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