WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

Empfehlungen von Erich Klein | aus HEUREKA 1/16 vom 06.04.2016

Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830-1916. Eine Biographie

Das Vermächtnis seines Vorgängers Ferdinand an Franz Joseph I. (1830-1916) lautete: "Verrücke nichts an den Grundlagen des Staatsgebäudes." Trotz jugendlicher Vorliebe für Paraden und Manöver -in achtundsechzig Regierungsjahren samt 1848er-Revolution, verlorenen Kriegen, bürgerlicher Verfassung, Ausgleich und "Mir bleibt nichts erspart" ließ sich die eingedrillte "Contenance" doch nicht durchhalten. Mitten im Ersten Weltkrieg starb der letzte Kakanier, und mit ihm die Donaumonarchie. Pflichtlektüre zum bevorstehenden hundertsten Todestag.

Michaela und Karl Vocelka: Franz Joseph I. Kaiser von Österreich ( ) München, C.H.Beck 2015.458 S.

Der erste Präsident. Karl Renner - eine politische Biografie

Der Politiker Karl Renner (1870-1950) war als Staatskanzler, Präsident des Nationalrats und Bundespräsident in Erster und Zweiter Republik federführend. Heute wird fast nur noch an sein "Ja" zum "Anschluss" aus 1938 erinnert. Der Utopie-Forscher Richard Saage analysiert Glanz und Elend des Schriftstellers und reformistischen Austromarxisten aus ärmsten mährischen Verhältnissen, der zum sozialdemokratischen Gründungsvater der Nation wurde. Ein "Jahrhundertpolitiker"(inklusive antisemtischer Äußerungen) sei wiederzuentdecken.

Richard Saage: Der erste Präsident. Karl Renner -eine politische Biografie. Wien, Paul Zsolnay Verlag 2016.415 S.

Im Kalten Krieg der Spionage. Margarethe Ottilinger in sowjetischer Haft 1948-1955

Drei Jahre nach Kriegsende wurde die junge Beamtin der Republik Österreich, Margarethe Ottilinger, von den Sowjets verhaftet, nach Russland verschleppt und zu fünfundzwanzig Jahren Gulag verurteilt. Nach ihrer Heimkehr 1955 stieg sie zur erfolgreichen Managerin auf. Seit Auffindung der Moskauer Akten 1991 ergänzte der Grazer Historiker Stefan Karner die Case Study über Kalten Krieg und verzwickte österreichisch-russische Verhältnisse mehrfach. Nur die Gaslieferungen funktionieren seit der ÖMV-Vorstandsvorsitzenden Ottilinger einwandfrei.

Stefan Karner: Im Kalten Krieg der Spionage. () Innsbruck-Wien-Bozen, Studien Verlag 2016.244 S.

Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie

Als Vordenker der "Wiener Gruppe" in den 1950er-Jahren und Akteur der "Uni-Ferkelei" 1968 wurde der Schriftsteller Oswald Wiener amtsbekannt. Der in "die verbesserung von mitteleuropa" (1969) beschriebene "Bioadapter" gilt heute als visionäre Skizze des Cyberspace. Eine Gruppe jüngerer Forscher präsentiert in acht Beiträgen Selbstversuche mit Wieners Denkpsychologie. Wie memoriert man ein Bild, wie einen Ohrwurm? Wie ist das mit Sprache und Denken? Im Anhang fünf Beispiele zur Introspektion -etwa: "Stellen Sie sich eine Schnur vor."

Thomas Eder, Thomas Raab: Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin:, Suhrkamp 2015.498 S.

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