GASTKOMMENTAR

Bleibt Wien die Welthauptstadt der Musik?

Ulrike Sych | aus HEUREKA 2/16 vom 18.05.2016

Als Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) werde ich immer wieder gefragt, ob Wien wirklich die Welthauptstadt der Musik ist. Täglich erleben wir in Wien großartige Veranstaltungen in den weltweit bedeutenden Konzerthäusern, Sprech-und Musiktheatern höchsten Ranges mit herausragenden Künstlerinnen und Künstlern. Die Welt blickt auf uns.

In Wien herrscht ein großes Kunst-und Kulturbewusstsein, das Wiener Publikum besteht derzeit noch zum Großteil aus Wienerinnen und Wienern. Weltmusikstadt zu sein beschränkt sich aber nicht nur auf einen funktionierenden Kulturbetrieb. Es muss auch die Musik-und Kunstausbildung im Fokus stehen: Zum einen ist zu bedenken, dass die Schülerinnen und Schüler von heute das Publikum von morgen sind. Daher haben wir darauf zu achten, sie allgemein in Kunst und Kultur so zu bilden, dass Wien zukünftig nicht zu einem nur touristischen Aufführungsort wird. Zum anderen haben wir die Aufgabe, für den heimischen Kunstnachwuchs zu sorgen. Dies impliziert jedoch, dass die Ausbildung der Musiklehrenden höchste Qualität haben muss.

Musik und Kunst dürfen in den Schullehrplänen nicht an den Rand gedrängt werden. Für unsere Jugend wird es immer schwieriger, die schulische Ausbildung mit ihren musikalischen Ambitionen zu verbinden.

Um später im Musikberuf wettbewerbsfähig zu sein, müssen Talente im Kindesalter professionell gefördert werden. In Österreich wird in der Ausbildung für Kindergartenpädagogik sowie für Volkschullehrende zu wenig auf die musikalische bzw. künstlerische Fachkompetenz geachtet. Es ist wünschenswert, statt der von der Politik bezüglich der Sekundarstufe geforderten Parallelstruktur Pädagogische Hochschule-Kunstuniversität die Pädagogischen Hochschulen im Bereich der musikalischen Früherziehung mit genügenden Ressourcen auszustatten, ihnen Autonomie zu geben und sie so von der Tagespolitik zu entkoppeln. Ich kann mir im Namen der mdw eine Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen in elementarer Musikpädagogik und im Bereich Primarstufe gut vorstellen. Doch fehlen dafür sowohl bei den Kunstunis als auch den Pädagogischen Hochschulen die nötigen Geldmittel.

Im Hinblick auf die Ganztagsschule ist die Kooperation mit Musikschulen ratsam, um auch weiterhin in Allgemeinschulen einen Instrumentalunterricht von bestausgebildeten Lehrenden zu garantieren.

Von den 24 Instituten der mdw sind acht dem Bereich Musikpädagogik gewidmet. Sie zählen zu den international führenden Kompetenzzentren für allgemeine Musikpädagogik sowie Instrumental-, Gesangs-, Rhythmik-und Bewegungspädagogik. Dieses Wissen sollte im Entwicklungsprozess der Ausbildung von Lehrenden in Österreich mehr eingebunden werden.

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