Freibrief

Social media!

Florian Freistetter | aus HEUREKA 2/16 vom 18.05.2016

Das Internet hat unsere Kommunikation verändert. Das haben viele Akteure in der Wissenschaftsvermittlung noch nicht vollständig verinnerlicht. PR-Stellen der Universitätsinstitute verschicken Pressemitteilungen und messen den Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit an der Zahl der Erwähnungen in Zeitungen und im Fernsehen. Natürlich sind diese klassischen Wege der Wissenschaftskommunikation wichtig. Aber heutzutage eben nicht mehr die einzigen.

Was in der Zeitung steht oder in den Wissenschaftsformaten der Fernsehsender ausgestrahlt wird, erreicht nur mehr einen Teil der Zielgruppe. Der Rest konsumiert Nachrichten über Facebook, Twitter, YouTube und andere soziale Medien. Oder informiert sich durch Internetblogs oder Podcasts. Wer diese Kanäle ignoriert, ignoriert auch diese Menschen.

Wer Facebook, Twitter & Co als irrelevante Medien ansieht, in denen Menschen Katzenfotos und Essensbilder posten, tut ihnen nicht nur Unrecht, sondern hat sie auch nicht verstanden. Ein Text bei Facebook kann in viel kürzerer Zeit viel mehr Menschen erreichen als ein Artikel im Wissenschaftsteil einer Zeitung. Vor allem aber kann er andere Menschen erreichen als die Zeitung! Und darauf kommt es an. Mit den klassischen Medien wird man langfristig nur noch die Menschen ansprechen, die sich sowieso schon für Wissenschaft interessieren. Will man neue Zielgruppen erschließen, muss man sich auch den neuen Medien widmen.

Öffentlichkeitsarbeit per Twitter, Podcasts von Forschern und Unis, Wissenschaftsberichterstattung in Blogs und bei Facebook: All das sollte längst unverzichtbarer Standard in der Wissenschaftskommunikation sein. Die klassischen Medien haben ihre Bedeutung nicht verloren und sind immer noch für viele Menschen relevant (auch diese Kolumne erscheint ja gedruckt in einem Magazin). Aber für viele eben auch nicht mehr. Und diese Menschen verliert man, wenn man nicht umdenkt.

Die sozialen Medien machen die Kommunikation einfacher als früher. Aber auch schwieriger: Man ist seinem Publikum viel näher und damit auch dem (vielleicht negativen) Feedback. Wer damit aber umzugehen weiß, dem bietet sich die Chance auf ein neues und großes Publikum.

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