ANTHROPOLOGIE

Eiszeitbaby vom Kremser Wachtberg war Bub und stammt von Migranten ab

Unsere Vorfahren sind vor rund 37.000 Jahren über die heute sogenannte "Balkanroute" aus dem Nahen Osten eingewandert

Jochen Stadler | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Am Wachtberg im Stadtgebiet von Krems (NÖ) hat die Archäologin Christine Neugebauer-Maresch mit Kollegen einen gut erhaltenen Lagerplatz von Altsteinzeitmenschen freigelegt, die dort während der Eiszeit lebten und auch ihre Toten begruben, wie sich herausstellte.

Die Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften fanden auch ein über 30.000 Jahre altes Babygrab. Die Überreste des etwa drei Monate alten Säuglings waren aber so zerbrechlich, dass sie den Fund als Museumsstück zusammenließen und nicht genauer untersuchten, um ihn nicht zu zerstören. Doch sie entnahmen ein winziges Stück von einem Schädeldachteil zur DNA-Analyse. "Damit gelang es nun, sein Geschlecht zu bestimmen. Das Baby war ein Bub", sagte Maria Teschler-Nicola vom Naturhistorischen Museum Wien. Außer dem niederösterreichischen Säugling hat ein internationales Team das Erbgut von fünfzig anderen menschlichen Funden von Russland bis Spanien untersucht, die von 45.000 bis 7.000 Jahren datieren. Die DNA der alten Knochen erzählte ihnen einiges von der Besiedelung Europas. So sind die Genvarianten der ersten anatomisch modernen Menschen, die hier vor 45.000 Jahren gelebt haben, nicht mehr bei der heutigen Bevölkerung zu finden. Deren Ahnen tauchten hier erst vor 37.000 Jahren als Migranten über die Balkanroute aus dem Nahen Osten auf. Auch der glücklose Knabe vom Wachtberg gehörte dazu.

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