FREIBRIEF

Open Access

Florian Freistetter | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Ab 2020 müssen alle wissenschaftlichen Artikel in Europa frei zugänglich sein." Das verkündete die niederländische EU-Ratspräsidentschaft im Mai 2016. Rechtlich verpflichtend ist diese Initiative für einen freien Zugang zur Wissenschaft nicht. Wer sie ignorieren möchte, braucht keine Konsequenzen zu fürchten.

Dabei wäre es längst dringend notwendig, etwas gegen jene absurden Gepflogenheiten zu tun, die immer noch bestimmen, wie Wissenschafter ihre Forschungsarbeiten publizieren (müssen). Verlage machen gute Geschäfte mit den Fachartikeln -und das meistens, ohne dafür relevante Gegenleistungen zu erbringen. Die publizierten Ergebnisse stammen im Allgemeinen aus Forschungen, die von öffentlichen Geldern finanziert werden. Die Wissenschafter erhalten kein Honorar für das Verfassen der Artikel (sondern müssen oft sogar noch für die Publikation bezahlen). Die Qualitätssicherung durch Gutachter erfolgt ebenso ohne Honorar.

Früher war es vielleicht notwendig, einen Verlag zu haben, der Forschungsergebnisse auf Papier druckt und an den Universitäten verteilt. Heute gibt es das Internet. Dort lassen sich die Ergebnisse der Wissenschaft öffentlich zugänglich, schneller, einfacher und mit genau den gleichen Qualitätssicherungsmaßnahmen wie bis jetzt publizieren. Man spart die Kosten, die bei der Veröffentlichung in einem Verlag anfallen und Ausgaben, um sich die Artikel von den Verlagen wieder zurück zu kaufen.

"Open Access reißt die Mauern um Universitäten ein und sorgt dafür, dass die Gesellschaft optimal von allen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitiert", kann man in der Pressemitteilung der EU Ratspräsidentschaft lesen. Dieser Satz ist absolut richtig. Doch es braucht mehr als unverbindliche Ankündigungen, um Open Access überall durchzusetzen. Eigentlich wäre es ganz einfach: Wer öffentliche Gelder erhält, um zu forschen, muss seine Ergebnisse auch der gesamten Öffentlichkeit zugänglich machen. Es liegt an den Politikern, die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Der Druck auf Forscher, in "wichtigen" Zeitschriften zu publizieren, muss verschwinden. Es braucht neue Beurteilungskriterien für akademischen Erfolg.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs. de/astrodicticuMm-simple

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