WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

Empfehlungen von Erich Klein | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Der als Kommunistenputsch bekannte Streik im Oktober 1950

Als kommunistischer Putschversuch geistern die Massenstreiks des Jahres 1950 bis heute durch die Köpfe. Auch wenn, wie Historiker längst festgestellt haben, die 200.000 Arbeiter mit ihrem zweiwöchigen Protest vor allem die Teuerungen des vierten Lohn-Preis-Abkommens im Sinn hatten. Die KPÖ-Führung war überrascht, die Sowjets an einem Umsturz offenbar wenig interessiert, die SPÖ um Abgrenzung nach links bemüht. Es folgten Auszeichnungen, Gewerkschaftsausschlüsse und - lange nach dem Kalten Krieg in Österreich - einige Rehabilitierungen.

Autengruber Peter, Mugrauer Manfred: Oktoberstreik ( )im Herbst 1950. ÖGB-Verlag, Wien 2016,224 S.

Band 5 der Reihe Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern

Salzburgs Weg durch den Nationalsozialismus wird in fünfzehn didaktisch gut aufbereiteten Kapiteln aus der Sicht von Opfern, Tätern und Gegnern geschildert. Der Bogen reicht von Hitlers erstem Salzburgauftritt 1920 zum Antifaschisten im spanischen Bürgerkrieg und zum Wehrmachtssoldaten am Schwarzen Meer. Mäßiger katholischer Widerstand findet sich neben Künstleropportunismus bei den "Deutschen Festspielen". Zuletzt, nach dem Lager Glasenbach, steht der großartige Marko M. Feingold, heute Präsident der Salzburger Israelitischen Kultusgemeinde.

Johannes Hofinger: Nationalsozialismus in Salzburg. StudienVerlag, Innsbruck 2016, 456 S.

Mahnmal Friedenskreuz St. Lorenz. Über die Verwicklung Wachauer Bürger im Partisanenkrieg im Zweiten Weltkrieg

In den 1960er-Jahren wurde in der Wachau ein sogenanntes "Friedenskreuz" errichtet, und zwar zur Erinnerung an eine "Kampfgruppe Joklisch" der Wehrmacht, die im Zweiten Weltkrieg an "Sühnemaßnahmen" im heutigen Kroatien und in Bosnien-Herzegowina teilnahm. Der Künstler Martin Krenn dekonstruiert das ominöse Denkmal samt Stahlhelm und Lorbeerkranz. Die Historiker Gregor Kremser und Robert Streibel untersuchen den Kontext der Kriegsverbrechen. Eine mustergültige Aktion samt Dokumentation von "Kunst im öffentlichen Raum".

Wachau Dunkelsteinerwald (Hg): Mahnmal Friedenskreuz St. Lorenz. StudienVerlag, Innsbruck 2016,150 S.

Österreichs Ringen um Gerechtigkeit 1945-1955 in der zeitgenössischen öffentlichen Wahrnehmung

Zwischen August 1945 und Ende 1955 führten "Volksgerichte" über 23.000 Prozesse gegen NS-Straftäter durch, es kam zu 13.607 Verurteilungen. Butterweck beschreibt anhand zeitgenössischer Presseberichte 840 Fälle des Volksgerichts Wien und "Österreichs Ringen um Gerechtigkeit", das lange Zeit vergessen war. Grundtenor: Am Anfang "war der moralische Anspruch unendlich hoch spätestens ab 1948 wurde mit der systematischen Entwertung und Zerstörung all dessen begonnen, was damals, von tausend heiligen Schwüren besiegelt, gegolten hatte".

Hellmut Butterweck: Nationalsozialisten vor dem Volksgericht Wien. StudienVerlag, Innsbruck 2016,802 S.

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