GASTKOMMENTAR

Auch in der Medizin entscheidet Qualität, nicht Quantität!

Erhard Busek | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Gegenwärtig besteht offensichtlich ein Boom an privaten Medizinunis. Den Oberösterreichern ist es gelungen, eine eigene medizinische Fakultät zu bekommen, deren Notwendigkeit heftig umstritten war. Ja, es gibt einen Mangel an Medizinern, etwa im Mühlviertel. Aber wer garantiert, dass die Studierenden aus Linz im Land bleiben? Außerdem ist es keine vollständige Ausbildung, denn den theoretischen Teil besorgt die MedUni Graz. Man wird auch sehen, ob die Spitäler in Oberösterreich jene Voraussetzungen schaffen, die eine qualitativ hochstehende Ausbildung ermöglichen. Von Forschung gar nicht zu reden!

Die Paracelsus-Universität in Salzburg stellt in einer geschickten Kombination mit den Kliniken des Landes ein qualitativ anerkennenswertes und vor allem von Red Bull finanziertes Beispiel dar. In Niederösterreich hat sich die Karl Landsteiner Uni unter Mitwirkung der MedUni Wien entwickelt, wobei für diese der Vorteil darin besteht, ein Studium in Englisch anbieten zu können. Alles andere ist schon problematischer, etwa die Sigmund Freud Uni, deren Ausrichtung nicht zur Gänze medizinisch ist, sowie Vorschläge in Innsbruck, eine private MedUni unter Mitwirkung der Vorarlberger zu gründen. Auch Baden steht diesbezüglich im Gerücht.

Als Argument wird angeführt, dass wir zu wenige Mediziner haben und infolge Überalterung bald ein großer Ausfall zu erwarten ist. Gesicherte Zahlen gibt es jedoch keine. Und selbst bei mehr ausgebildeten Medizinern ist keine Garantie gegeben, dass diese auch in Österreich bleiben. Die Schweiz und Deutschland zahlen besser - also, was wäre, wenn die Sozialversicherungen den Österreichern mehr bezahlen, damit sie auch im Lande bleiben?

Die gegenwärtige Beschränkung der Studierendenzahlen wird gegenüber der EU nicht aufrecht zu erhalten sein, wenn wir immer mehr Plätze an Unis anbieten. Dann allerdings wird es erst recht problematisch. Denn die Ausstattung der vorhandenen Medizinunis ist nicht so, dass sie sich einen Ansturm leisten können. Zu den Übungen privater und halböffentlicher Art muss man sagen, dass die wissenschaftliche Qualität keineswegs gegeben ist.

Dazu braucht es zum einen ausgezeichnet ausgerüstete Spitäler, zum anderen auch die entsprechende Wissenschaft und Forschung. Hier sind Gesundheits- und Sozialministerium gefordert, genauer zu untersuchen, was in Zukunft gebraucht wird. Bislang ist hier nicht sehr viel geschehen. Der Föderalismus ist auch problematisch, weil über kurz oder lang die neuen Einrichtungen bei den Landesbudgets landen werden, die sich wiederum über den Finanzausgleich beim Bund bemerkbar machen.

Was fehlt? Eine Politik über Ausund Weiterbildung von Medizinern sowie eine Untersuchung der Anforderungen der Zukunft. Qualität ist gefragt. Nicht "Medizin Light"!

Erhard Busek ist Vorsitzender des Universitätsrates der Medizinischen Universität Wien

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