KLIMAFORSCHUNG

Jetzt taut's: Heuer wird ein Rekordschwund beim Eis in der Arktis vorausgesagt

Der letzte Winter war auch rund um den Nordpol viel zu warm. Das in den letzten Jahren zugewachsene Eis wird heuer wohl abschmelzen

Jochen Stadler | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Im Winter war es nicht nur in Österreich kaum frostig, sondern auch im hohen Norden. In Februar lagen die Temperaturen dort bis zu acht Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Das Eis, das die arktischen Meere bedeckt, konnte sich kaum regenerieren und wird laut Forschern im Sommer auf eine negative Rekordmenge schwinden.

Seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen 1997 ist das arktische Meereis um 3,5 Millionen Quadratkilometer, also fast auf die Hälfte, zurückgegangen, erklärte Alexandra Jahn von der University of Colorado bei der Generalversammlung der European Geosciences Union in Wien.

Im Sommer 2012 gab es schon einmal einen traurigen Negativrekord. Die recht kalten Winter 2013 und 2014 brachten zwar Erholung, doch die Zugewinne werden heuer wohl alle wegschmelzen und -driften, so Marcel Nicolaus vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. "Daten, die wir mit dem CryoSat-2-Satelliten gesammelt haben, zeigen große Bereiche mit dünnem Meereis, das wahrscheinlich den Sommer nicht überleben wird", sagt er. Jetzt im Frühling sei das Eis deutlich dünner als sonst um diese Jahreszeit.

Auch werden große Mengen von dickem Packeis durch die Meeresströmungen weggetrieben, im Nordatlantik landen und dort schmelzen. "Sind die Wetterbedingungen weiter so ungünstig, stehen wir heuer dem nächsten Rekordtief gegenüber."

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