WIRTSCHAFT

Soziales Unternehmertum für Afrikas Probleme

Firmen wie Juhudi Kilimo unterstützen Menschen in entlegenen Gebieten mit Mikrokrediten, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen

Barbara Gratzer | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Soziale Unternehmen, also profitorientierte Firmen, die sich für einen wesentlichen positiven Wandel in der Gesellschaft einsetzen, sind keine Erfindung dieses Jahrtausends. Allerdings gibt es seit einigen Jahren ein stetig wachsendes Interesse an dieser Form der Unternehmungsführung.

Befürworter meinen, dass soziales Unternehmertum eine Fülle von Möglichkeiten präsentiert, die, richtig eingesetzt, Millionen von Menschen aus der "Armutsfalle" befreien könnten. Es bietet die einzigartige Möglichkeit, auf soziale, umweltpolitische und wirtschaftliche Interessen gleichzeitig zu reagieren. Soziales Unternehmertum spielt daher in Afrika, aber auch in Ländern wie Indien oder China eine zentrale Rolle, um die lokale Wirschaft zu stärken.

Wie soziale Unternehmen in Afrika agieren - und was "B Corp" ist

In Afrika haben ausländische Akteure taditionell durch die an bestimmte Bedingungen gebunde Entwicklungshilfe Einfluss auf die Regierungspolitik. Eine der langfristigen Folgen dieser Strukturanpassungen war die fortschreitende Zerstörung des lokalen Unternehmertums. Es konnte mit multinationalen Konzernen einfach nicht konkurrieren. In sozialen Unternehmen sieht man nun Potenzial, dies maßgeblich zu ändern.

Das soziale Unternehmen mit dem klingenden Namen "Juhudi Kilimo" ist ein Beispiel für den Wandel, der gerade in Afrika stattfindet. Anfangs agierte Juhudi Kilimo als NGO (Nicht-Regierungs-Organisation), war jedoch aufgrund der Abhängigkeit von äußeren Finanzierungsmittel nicht effektiv genug. 2009 wandelte man Juhudi Kilimo in ein soziales Unternehmen um. Im selben Jahr wurde die Firma auch Afrikas erstes Mitglied des weltweiten "B Corp"-Netzwerks.

"B Corp", ein Gütesiegel für effektive soziale Unternehmungsführung, steht für "Benefit Corporation" und verhält sich zum Unternehmertum ungefähr so wie "Fair Trade" zum herkömmlichen Weltmarkt. Die Eiscreme-Marke "Ben &Jerry's", die auch in Österreich ein Begriff ist (wenn man Eiscreme gerne mag), fällt ebenfalls in die Kategorie "B Corp". In Kenia bietet Juhudi Kilimo ländlichen Kleinbauern mit einer einzigartigen Art von "Mikro-Asset-Finanzierung" die Möglichkeit, Vermögenswerte wie Milchkühe, Geflügel, Gewächshäuser und Biogasanlagen zu erwerben.

Die Vernetzung mittels Smartphones als Weg zum Erfolg

Diese Vermögenswerte generieren ein Einkommen für die Landwirte und ermöglichen ihnen selbst in ärmsten ländlichen Gegenden zu bestehen, wo sonst nur wenig Geschäftstätigkeit oder Betätigungsmöglichkeiten vorhanden sind. Seit der Gründung im Jahr 2009 hat Juhudi Kilimo insgesamt 20.120 Bauern Darlehen in Höhe von 11,7 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2011 wurde Juhudi Kilimo auf dem Weltwirtschaftsforum mit dem Preis "Soziales Unternehmen des Jahres" ausgezeichnet. Teil des "B Corp"-Netzwerks zu sein, das über 4.000 Mitglieder in zweiundvierzig Ländern zählt, bedeutet aber nicht nur, bestimmten sozialen und umweltverträglichen Standards zu folgen.

"B Corps" zeichnen sich auch durch geteilte Werte und durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl aus. Gemeinschaftsbüros, Ausflugswochenenden und "Retreats" fördern den Zusammenhalt und gewährleisten einen produktiven Austausch untereinander.

Diese Vernetzungsoll zu einem Wissenstransfer und zur Entwicklung von Fähigkeiten führen, aber auch der Unterstützung von neuen Ideen dienen. Die explodierende Mobiltelefon-Technologie erleichtert diese Vernetzung und spielt insbesondere in Entwicklungsländern, in denen Menschen eher ein Smartphone als eine Toilette besitzen, eine wichtige Rolle.

Dies könnte die Hoffnung nähren, dass sich der Erfolg nicht ausschließlich bei jenen einstellt, die am stärksten oder am schnellsten sind, sondern auch jene davon profitieren, die verschiedenen Kooperation untereinander pflegen.

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