VETERINÄRMEDIZIN

Das Thema für laue Sommerabende: eine Blutmahlzeit mit äußerst üblen Folgen

Eine neu in Ostösterreich auftretende Mischform der Hausmücke kann Krankheiten vom Vogel auf den Menschen übertragen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Bisher galt sie mit ihrem enervierenden nächtlichen Surren eher als lästig denn als gefährlich: die Gemeine Stechmücke. Nun haben Forscher der Vetmeduni Wien erstmals im Osten Österreichs eine natürliche Kreuzung zweier Hausmücken nachgewiesen, die möglicherweise mehr als ein paar juckende Dippel hinterlässt. Anders als die zwei bekannten Arten saugt der Hybrid sowohl Menschenals auch Vogelblut.Damit könnte er Krankheiten vom Vogel auf den Menschen übertragen, etwa wenn Zugvögel das West-Nil-Virus mitbringen.

Für die im Fachjournal Parasites & Vectors veröffentlichte Studie hat ein Team vom Institut für Parasitologie 1.500 Gelsen eingefangen, 90 Prozent davon von der nordeuropäischen Stechmückenart Culex pipiens. Sie kommt in verschiedenen Ökoformen vor, die sich äußerlich nicht unterscheiden und nur über das Erbgut zu identifizieren sind. Am häufigsten fanden die Forscher die Ökoform Culex pipiens f. pipiens. Diese saugt vorwiegend Vogelblut und benötigt vor der ersten Eiablage eine Blutmahlzeit als Proteinzufuhr. Sie überwintert zum Beispiel in Kellern. Culex pipiens f. molestus hingegen ist säugerblutaffin, braucht keine initiale Blutmahlzeit und schwirrt auch im Winter durch die Wohnung. Obwohl die Kreuzung der beiden aktuell selten vorkomme, dürfe man Hybridformen künftig nicht außer Acht lassen, so Erstautorin Carina Zittra. "Vermutlich pflanzen sich die Hybride fort."

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