ARCHITEKTUR

Grundlos bauen: Das mobile Haus ohne Boden und Fundament

Der Wunsch nach eigenen vier Wänden ist teuer und aufwendig zu erfüllen. Auch will man vielleicht nicht immer am selben Ort wohnen. Eine Alternative ist das "Multiple Location Loft", ein flexibles und transportierbares Haus

Barbara Freitag | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Eines Tages kam Julian Fischer, ein junger Tiroler, zu den Architekten burkhardt.bodenwinkler und erzählte von seiner Vision eines Bauwerks, das man überall fundamentlos aufstellen könne. Es sollte zum Wohnen, Arbeiten sowie zum Vergnügen dienen, und schön aussehen sollte es auch. Weil Mobilität heute in jeder Lebenssituation essenziell ist, müsste das Traumhaus seinem Besitzer ohne Probleme folgen können. Fischer fragte Ute Burkhardt und Markus Bodenwinkler, ob sie Interesse hätten, solch ein Gebäude zu entwerfen.

"Anfangs hat uns das nicht so besonders interessiert. Aber dann haben wir uns mit der weltweiten demografischen Entwicklung und den Tendenzen des Immobilienmarkts beschäftigt und fanden in diesem Kontext eine solche Konstruktion richtig spannend", sagt die Architektin Ute Burkhardt. Denn einerseits ist die Wohnungsnot in den Städten ein immer dringlicheres Problem. Immer mehr Menschen ziehen der Arbeit wegen in urbane Ballungsräume. 2050 werden nach Berechnungen der Vereinten Nationen drei Viertel der Weltbevölkerung in Städten leben.

Ein weiteres Problem sind die hohen Mieten. Ein Haus-oder Wohnungskauf wäre oft die vernünftigere Option, allerdings ebenfalls kaum erschwinglich, vor allem nicht für junge Menschen. Diese sind auch häufig in einer Lebensphase, in der man beruflich besser mobil bleibt und bereit ist, seinen Jobs nachzureisen. Die Aufgabe lautete also, einen multifunktionalen und beweglichen Baukörper zu entwickeln, den man temporär überall aufstellen kann.

Nun gibt es bereits einige Modelle von kleinen und mobilen Häusern, vor allem in Amerika. Dort ist dieser Trend, sein Haus wie eine Schnecke mitzunehmen, auch entstanden. Es sind sogenannte "Tiny Houses", echte Winzlinge. Sie können zum Teil selbst zusammengebaut werden und sind autark in der Grundversorgung. Auch in Europa gibt es einige Varianten, manche davon gleichen Zirkuswagen.

Was das Multiple Location Loft alles kann - und wo es hinpasst

Das "Multiple Location Loft"(MLL) unterscheidet sich von ähnlichen Konstruktionen durch eine grundlegende Flexibilität in der Nutzung, Modernität und der optimalen Transportierbarkeit.

Architekt Markus Bodenwinkler meint dazu: "Für uns zählen Qualität, Ästhetik und Nachhaltigkeit gleichermaßen. Unsere Materialien entsprechen dem neuesten Stand der Materialforschung."

Der Korpus des MLL wird aus Compound-Paneelen gefertigt, ist außen mit gebürstetem Aluminium und innen mit Holz verkleidet. Vom Design her gibt es verschiedene Oberflächen- und farbliche Gestaltungsvarianten. In der Grundvariante misst das MLL 65 Quadratmeter und ist bis auf 130 Quadratmeter erweiterbar. Gut gedämmt und energieautark, entspricht es dem Standard eines Passivhauses. Die Versorgung kann durch Photovoltaik, Brennstoffzellen und Windenergienutzung erfolgen. Für Waschund Abwasser sind Tanks vorgesehen. Wenn man aber lieber auf das öffentliche Versorgungsnetz zurückgreifen möchte, sind Anschlüsse möglich. Der nächste Schritt der Architekten ist die Umsetzung eines Prototypen.

Grundsätzlich kann das MLL ohne amtliche Genehmigung überall aufgestellt werden, selbst auf einem Dach. In seiner Vielseitigkeit kann man es als Hauptwohnsitz, Büro, Atelier, Praxis, Gästewohnung oder Retreat nutzen. Und wenn der moderne Nomade weiterziehen möchte, kann er sein Schneckenhaus dank integrierten Fahrgestells sogar von einem Traktor ziehen lassen. Dann geht es zum nächsten Seeufer, Strand oder Dach

INFO: www.bubm.eu

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