EDITORIAL

Sozialfälle

Christian Zillner | aus HEUREKA 3/16 vom 22.06.2016

Die soziale Situation der Studierenden in Österreich - ihr ist eine Studie des Wissenschaftsministeriums und diese Ausgabe von Falter Heureka gewidmet.

Auch ich war einmal ein studierender Sozialfall - nein, so kann man das nicht sagen. Sozial war ich nie, bin ich doch mit meiner Studiererei dem Staat und den Eltern auf der Tasche gelegen. Und nicht nur meinen, sondern auch jenen, deren Kinder ich in einer der ersten Alternativschulen Wiens unterrichtet, besser gesagt, betreut habe, denn gelernt haben sie mehr oder minder allein. Jedenfalls waren sie immer weit früher in der Schule als ich. Dafür haben sie mich geschimpft. Kinder, die den Lehrer schimpfen -das hat mir gefallen. Jedenfalls habe auch ich Teile meines Studiums durch Arbeit (oder was ich dafür gehalten habe) finanziert. Jetzt wäre eine Gedenksekunde fällig. --- Danke!

Mit der Maloche heutiger Studierender hatte das nichts zu tun. Gut, die Unigebäude heute sind fescher, die Lehrmittel besser, aber ist das wirklich noch Studium, also Freiheit? Oder bloß Gehirnwäsche, um die jungen Menschen vergessen zu lassen, dass es ihnen einmal schlechter gehen wird? Ich war ja vielleicht blöd, aber nicht so blöd, mich nach endlosen Schuljahren an der Uni wieder zuschulen zu lassen, so wie man das heute macht.

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