: UMWELTSYSTEMWISSENSCHAFT

Aller Strom ist grün - bis zum Jahr 2050

Ein neues Konzept von Uni und TU Graz verspricht eine Vollversorgung aus hundertprozentig erneuerbaren Energieträgern in Österreich

Johannes Mörth | aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Wie grün kann die Stromversorgung werden? Diese Frage stellten sich Studierende von Universität und Technischer Universität Graz im Rahmen eines interdisziplinären Praktikums zur Umweltsystemwissenschaft. Unterstützt wurden sie von den Professoren Ralf Aschemann, Udo Bachhiesl, Peter Knoll und Michael Narodoslawsky.

Ein neues Konzept soll eine Stromversorgung aus hundertprozentig erneuerbaren Energieträgern in Österreich sicherstellen. Grundlage dafür sind eine Potenzialanalyse regenerativer Energieträger und die prognostizierte Entwicklung der Stromnachfrage bis 2050 auf Bezirksebene.

Für die durchgeführte Analyse wurden Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik herangezogen. Diese erneuerbaren Energieträger wählte man aufgrund bestehender Erfahrungsberichte, technischer Reife und gesellschaftlicher Akzeptanz. Um Nachhaltigkeit zu erreichen, setzt das Konzept auf lokale Versorgung. Es umfasst auch die Verortung zukünftiger Anlagen.

Zur Potenzialanalyse wurde der Stromverbrauch des Jahres 2015 auf Bezirksebene über den Pro-Kopf-Verbrauch und die Bevölkerungsdichte ermittelt. Dieser wurde der Stromproduktion bestehender Kraftwerke mit einer Leistung über zehn Megawatt aus regenerativen Energieträgern gegenübergestellt.

Die Prognose der Stromnachfrage wurde auf Basis von relevanten Studien erarbeitet. Faktoren waren steigende Ölpreise, ein stetiger Anstieg der Energieeffizienz und die Umstellung auf Elektromobilität. Letztere bewirkt eine Zunahme des Gesamtstromverbrauchs. Der Verbrauch in den Bereichen Industrie, Haushalt und Dienstleistungen nimmt ab 2040 ab. So ist eine Zunahme des Stromverbrauchs von 59.750 GWh pro Jahr auf 70.040 GW h zu erwarten.

Für ein grünes Stromkonzept 2050 muss die jährliche Leistung von Windkraft von 3.590 auf 12.510 GWh erweitert werden, bei der Photovoltaik auf 629 GWh. Auch die Wasserkraft (aktuell 45.000 GWh pro Jahr) müsste um 6.605 GWh pro Jahr ausgebaut werden.

Nach dieser Berechnung belaufen sich die jährlichen Kosten auf 5,162 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts 2015. Sie umfassen Investitions-und Betriebskosten, während anfallende Kosten für einen Netzausbau vernachlässigt wurden.

Der grüne Strom 2050 aus 73,4 Prozenten Wasserkraft, 22,9 Prozenten Windkraft, 2,73 Prozenten Biomasse und 0,98 Prozent Photovoltaik weist einen ökologischen Fußabdruck (berechnet mit dem Sustainable Process Index) von 1,6 Quadratmeter pro Kilowattstunde auf. Zum Vergleich: Heute beträgt dieser 121 Quadratmeter je kWh.

Das neue Konzept zeigt: In Österreich ist 2050 Strom aus hundertprozentig erneuerbaren Energietechnologien technisch durchaus möglich.

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