: JUNGFORSCHER

In der Forschungsgruppe Workflow Systems and Technology an der Fakultät für Informatik der Uni Wien widmen diese drei Informatiker ihre Doktorarbeit den Pflegeprozessen 4.0

Uschi Sorz | aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Georg Kaes,

"Die Menschen werden immer älter, und damit wird Pflege ein zentrales Thema." Georg Kaes will diese optimieren. "Pflegepersonal verbringt einen nicht zu unterschätzenden Teil seiner Arbeit damit, Pflegeschritte zu dokumentieren", konstatiert er. "Schade um die Zeit, die damit den eigentlichen Aufgaben beim Versorgen der Patienten fehlt." Außerdem geschehe das Dokumentieren oft im Nachhinein, am Ende des Dienstes, wo man nicht mehr jedes Detail im Kopf habe. Kurzum: Es gibt jede Menge Verbesserungsbedarf und zugleich Dinge, die man mit den Mitteln der Informatik hervorragend lösen kann. Kaes befasst sich damit, ein User-Interface direkt am Patientenbett so zu gestalten, dass Pflegen und Dokumentieren gleichzeitig ablaufen können und Behandlungsvorschläge bei Bedarf gleich mitgeliefert werden.

Florian Stertz,

Der Bad-Vöslauer hat sich an der MedUni Wien der Medizinischen Informatik gewidmet. Die Dissertation im Rahmen der Arbeitsgruppe, die sich an der Fakultät für Informatik der Uni Wien mit den Pflegeprozessen 4.0 beschäftigt, passt also gut ins Bild. "Am Anfang stand natürlich mein Interesse für Informatik", sagt er. "Die fasziniert mich schon seit dem Gymnasium." Aber er ist dem Medizinthema treu geblieben, denn die bessere Versorgung von Pflegeheimbewohnern ist ihm ein Anliegen. "In einem vorigen Projekt habe ich gelernt, die Pflege als Prozess zu sehen", erklärt er. "Und Pflegebedienstete sollen diesen besser ausführen können, ohne sich zu sehr mit neuer Technik befassen zu müssen. Daher ist es meine Idee, Dokumentationen mithilfe von NFC-Tags zu automatisieren." Jetzt tüftelt er daran, diese e zient einzusetzen.

Manuel Gall,

"Prozesse unterliegen Regeln, die sich über mehrere Instanzen oder sogar über die Prozesse hinweg erstrecken können", sagt Manuel Gall. So müsse man etwa bei der Medikamentenverordnung beachten, was jemand bereits einnehme. "Um bei der Vielfalt an Regeln nicht den Überblick zu verlieren, bedarf es einer guten Visualisierung." Galls Arbeit dreht sich um das Entwerfen einer Programmiersprache für instanzenübergreifende Regeln und das Visualisieren von Regelverletzungen. "Ich liebe es, wenn berflächen Form, Tiefe und Aussagekraft haben" Dabei war Informatik gar nicht seine erste Wahl. Vor dem Studium arbeitete der Burgenländer in einer Rechtsanwaltskanzlei und fand, dass er sich dabei nicht entfalten könne. "In der Informatik scheint die Welt grenzenlos." Das Schöne an ihr: Es gibt immer mehrere Lösungswege.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige