"Revolutionäre Entwicklungen werden oft unterschätzt"

... findet Rektor Markus Müller. Er sieht eine Revolution durch die personalisierte Medizin auf uns und die Ärzte zukommen

aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Herr Müller, Sie benötigen für das Zentrum für Präzisionsmedizin 60 Millionen Euro, die Sie über Fundraising finanzieren wollen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass dieser Betrag bis 2018 aufgebracht wird?

Müller: Sehr zuversichtlich. Wir haben dankbare und auch wohlhabende Patienten, die sich zu Freunden unseres Hauses zählen. Das Finanzministerium stellt Kontakte zu Großspendern wie etwa Stiftungen oder Banken her. Mittlerweile wurde uns ein einstelliger Millionenbetrag an Spenden zugesagt.

Ist die Bedeutung von personalisierter Medizin in der Öffentlichkeit angekommen?

Müller: Noch nicht ganz, weil viele sich nicht vorstellen können, was für eine unglaubliche Vision dahinter steckt. Ist es nicht oft so, dass revolutionäre Dinge kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt werden? Ich denke aber, dass personalisierte Medizin in den nächsten zwanzig Jahren eine Revolution einleiten wird.

Was hat dies ausgelöst?

Müller: Der Arzt erhält sozusagen ein Abbild des Patienten, einen Avatar im Sinne eines Hochdatensatzes, der verschiedene therapeutische Ansätze nahelegt. Auch wenn es noch nach Zukunftsmusik klingt, all das wird künftig möglich sein. Ein ehemaliger IBM-Chef hatte einmal zum Personal Computer gemeint, dass er dafür keinen Markt sehe und wenn, gerade einmal für ein-oder zweitausend Stück weltweit.

Ein anderer IBM-Chef meinte aber auch, es würde ihn nicht wundern, wenn aufgrund der enormen Datenlawine der Arzt durch Big Data ersetzt würde.

Müller: Diese Befürchtung habe ich nicht. Aber so wie sich die Welt dramatisch verändern wird, ganze Berufsgruppen durch die Digitalisierung überflüssig werden, so wird sich auch das Berufsbild des Arztes verändern. Patienten werden durch das Internet mündiger und werden sich nicht mehr willenlos in ärztliche Hände begeben, sondern selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient wird jedoch auch in Zukunft unentbehrlich bleiben. Man wird uns also nicht ganz wegrationalisieren können.

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