: MEDIZIN

Kann Trinkwasser als Vorbeugung von Selbstmord dienen?

Natürlich vorkommende Lithiumsalze senken die Selbsttötungsrate signifikant. Deswegen ins Smartphone beißen, bringt jedoch nichts

Bernhard Madlehner | aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Der Lithiumgehalt des Trinkwasser steht in direktem Zusammenhang mit der Suizidrate einer Region: Sie ist umso geringer, je mehr von dem Metall im Wasser vorkommt. Bereits 2009 konnte das für Österreich nachgewiesen werden, sagt Nestor Kapusta von der MedUni Wien. In der Folge gingen er und sein Team der Frage nach, ob der positive Effekt allein auf dem natürlichen Anteil dieses Metalls im Wasser beruht, oder ob vom Menschen stammende Verunreinigungen und Ausscheidungen hier mitwirken.

Immerhin werden Lithiumsalze als Bestandteile von Medikamenten gegen Stimmungsschwankungen, Manien, schizoaffektive Psychosen und endogene Depressionen eingesetzt. Und auf den Müllhalden stapeln sich die lithiumhaltigen Akkus unserer Smartphones.

Nun steht endlich fest, dass die Wirkung tatsächlich nur auf natürliches Lithium zurückgeht. Kapusta, dessen Forschung auf japanischen Studien aufbaut, hält aber nichts davon, die Dosis prophylaktisch zu steigern. "Ich würde davon Abstand nehmen, Trinkwasser bewusst mit Lithium anzureichern", warnt er. In der natürlichen Dosierung (für Wien bedeutet dies etwa zwölf Mikrogramm pro Liter Wasser)"mag Lithium zwar harmlos erscheinen und sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken". Aber es hat auch Nebenwirkungen, wie sie sich in lithiumhaltigen Medikamenten zeigen, Eine Folge ist die Schilddrüsenunterfunktion. Und die will man ja in der Bevölkerung nicht unbedingt vermehren.

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