: BRIEF AUS BRÜSSEL

Quotensprung

Emily Walton | aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Eine fast unendliche Geschichte nähert sich einem ihrer spannenderen Kapitel: Das Moratorium für das Verfahren der EU-Kommission gegen die österreichische uotenregelung beim Medizinstudium läuft mit Jahresende aus. (Seit zehn Jahren sind 5 Prozent der Plätze für Studierende mit heimischem Maturazeugnis reserviert, um einen Ansturm vor allem deutscher Studierender abzuwehren.) Das Wissenschaftsministerium wird Argumente nach Brüssel schicken, warum Österreich die uote braucht und das Verfahren daher nicht weiter verfolgt werden soll.

Das zentrale Argument ist schlüssig: hne uotenregelung würden Österreich die Ärzte ausgehen. Genauer: außer Landes gehen. Laut Absolventenbefragung des Ministeriums wollen 25 Prozent von jenen, die das Medizinstudium in Österreich abschließen, nicht (gleich) hier arbeiten - unter den deutschen Studierenden hierzulande sind es zwei von dreien. Hätten wir keine Quoten, hätten wir mehr Studierende aus Deutschland, hätten wir mehr Jungärzte, die das Land (wieder) verlassen.

Mag sein, dass es eine Einschränkung braucht, wie viele Menschen aus der EU bei uns ein Medizinstudium absolvieren dürfen. Mag auch sein, dass ein Gutteil der Gaststudierenden wieder in ihre Heimat zurückgeht, sobald das Studium beendet ist. An einer Debatte wird man aber unabhängig davon, ob Brüssel nun das Verfahren weiterführt, einstellt oder dauerhaft ruhend stellt, nicht vorbeikommen: Jener über die Arbeitsbedingungen für junges ärztliches Personal. Denn so viel ist klar: Die uote kann manche Probleme lindern, aber sicherlich nicht alle lösen.

Selbiges gilt für den "Plan B", den der Wissenschaftsminister unlängst angedacht hat: Studierende könnten Beihilfen für ihr Medizinstudium erhalten und im Gegenzug zumindest für ein paar Jahre zum Bleiben und Arbeiten in Österreich verpflichtet werden.

Ob Plan A oder B, ohne bessere Bedingungen könnte ein Ärztemangel drohen. Umgekehrt könnten attraktivere Umstände dazu beitragen, die Notwendigkeit für

Quote, Bleibepflicht oder Ähnliches zu lockern. Statt ausländische Studierende möglichst fern-, oder, wenn dies nicht gelingt, festzuhalten, könnte man Absolventen anlocken. Nach dem Herumdoktern um die Zugangsregelungen im vergangenen Jahrzehnt wäre das doch ein zukunftsträchtiges Rezept.

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