: VERHALTENSFORSCHUNG

Bittere Wahrheit für Mäusemachos: Sexuelle Erfahrung zählt leider gar nichts

Eine einschlägige sexuelle Heldengeschichte bringt zumindest bei den Mäusen den Männchen keinen Vorteil bei den Damen

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/16 vom 27.10.2016

Eine sexuelle Vorgeschichte ist für das männliche Geschlecht von keinerlei Nutzen, fand die Wiener Verhaltensforscherin Kerstin Thonhauser bei Mäusen heraus. Im Wettstreit um die Weibchen waren sexerfahrene Mäuseriche nicht erfolgreicher und zeugten auch nicht mehr Kinder als Neulinge, erklärte sie bei einem Verhaltensbiologie-Kongress in Wien.

In ihrer Studie hat die Wissenschafterin des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien Hausmäusen vor den eigentlichen Tests entweder erlaubt, mehrere Tage mit weiblichen Artgenossen zu verkehren und dabei Nachwuchs zu zeugen, oder sie keusch gehalten und nur mit dem Geruch der Weibchen stimuliert. "Das ist wichtig, damit die Männchen sexuell aktiv werden", sagt sie.

Dann setzte Thonhauser jeweils zwei Männchen und ein Weibchen in einen Versuchsaufbau mit mehreren Zimmerchen. Die Mäuseriche waren entweder beide sexerprobt, beide jungfräulich oder gemischt.

Es zeigte sich, dass es für die weiblichen Tiere bei der Partnerwahl vollkommen irrelevant war, ob die Mäuseriche sexuell Neulinge waren oder nicht. Die Weibchen erwählten ihre Erstkontakte nicht nach diesem Kriterium, verbrachten genau so viel Zeit mit sexerprobten wie mit unerfahrenen Mäusemännchen.

Am Ende stammten nicht mehr oder weniger Nachkommen von den Routiniers als von den Greenhorns, berichtet die Forscherin. Bei Mäusen zählt sexuelle Erfahrung - nichts.

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