JUNGFORSCHERINNEN

Das international hochangesehene Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Uni Wien zieht Studierende aus der ganzen Welt an. Auch diese drei machen hier ihren Doktor.

Uschi Sorz | aus HEUREKA 5/16 vom 23.11.2016

Christodoulos Papavarnavas, 28 Byzanz hat ihn schon früh fasziniert. "In der Schule bin ich dem Charme der mittelalterlichen griechischen Sprache erstmals begegnet", sagt der Zypriote. "In den schriftlichen Quellen von Byzanz entdeckt man eine Literaturwelt, ganz anders als etwa die von Goethe oder Kavafis." Sein Schwerpunkt sind die Vitae heiliger Männer und Frauen im alten Byzanz. "Die Texte gelten als das ,Fernsehen der Epoche'. Da gibt's unheimlich spannende Aspekte wie verkleidete Nonnen oder heilige Narren." Am Wiener Institut schätzt der auch dort Lehrende die Exzellenz seines Fachs und die umfangreiche Bibliothek. Für seine Dissertation sucht er in Berichten über Verhöre, Folterungen und Hinrichtungen christlicher Märtyrer nach Zusammenhängen zwischen deren Inhaftierung und ihrem Heiligkeitsstatus.

Krystina Kubina, 28 Zur Byzantinistik kam sie über die klassische Philologie. "Auf Umwegen lernte ich mittelalterliche Literatur kennen, auch byzantinische Texte", berichtet sie. Von deren Facettenreichtum war sie beeindruckt. In Wien, das sie als "kleines Mekka der Byzantinistik" bezeichnet, beschäftigt sich die Deutsche nun mit den Lobgedichten von Manuel Philes aus dem frühen 14. Jh. "Die Texte weisen eine ausgesprochen hohe Variabilität auf", sagt sie. "Und weil Lobgedichte den sozialen Status des Verfassers sowie des Gelobten beeinflussen konnten, zeigen sie, wie fragil dieser war." Zudem untersucht sie die Motive, rhetorische Mittel und den Einfluss literarischer Gattungen auf die Ausgestaltung des Lobs. "In der Nationalbibliothek Handschriften heranziehen zu können, zählt zu den Sternstunden meiner Forschungsarbeit."

Giulia Rossetto, 26 Sie untersucht Texte, die mit bloßem Auge nicht zu entziffern sind: Palimpseste. Weil Pergamentblätter in Byzanz teuer waren, wurden sie mehrmals beschrieben und die ursprünglichen Schriften einfach abgewaschen oder abgekratzt. "Mit modernen Technologien wie Multispektralaufnahmen werden sie lesbar", so die Italienerin, die auf diese Weise drei byzantinische Gebetsbücher aus der Bibliothek des Katharinenklosters in Ägypten erforscht. Bei der Begutachtung der diversen Schichten finden sich in den ausradierten unteren Lagen teils noch unbekannte Texte. "Gebetsbücher sind eine wichtige sozialgeschichtliche Quelle. Durch sie erfahren wir vieles über das Leben der Byzantiner." Die lange, komplizierte Geschichte der Manuskripte sowie der Menschen, die diese im Lauf der Zeit verfassten, möchte sie rekonstruieren.

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