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Crash am Mars

Florian Freistetter | aus HEUREKA 5/16 vom 23.11.2016

Im Oktober 2016 legte die Marssonde Schiaparelli eine Bruchlandung auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten hin. Sie stürzte aus mehreren Kilometern Höhe ab und wurde beim Aufprall zerstört.

Die meisten Medien sprachen von einem dramatischen Misserfolg der ESA-Mission. Manche, wie ein Kommentator der Süddeutschen Zeitung, forderten den Ausstieg Europas aus der Erforschung des Mars. Ein ziemlich ungerechtes Urteil angesichts der Tatsache, dass die Landung Schiaparellis nur ein Test war.

In der ersten Phase der Mission ging es vor allem darum, den "Trace Gas Orbiter" in eine Umlaufbahn zu bringen, um dort die Mars-Atmosphäre zu untersuchen. Das gelang perfekt; die Landeeinheit Schiaparelli hatte man mitgeschickt, um die Technik zu analysieren, mit der man in einigen Jahren während der zweiten Phase den "ExoMars- Rover" absetzen will.

Schiaparelli hatte keine wissenschaftlichen Messinstrumente an Bord. Es ging darum, vor Ort Daten zu sammeln und die schon vorhandene Hard-und Software zu erproben. Auch das klappte, alle Daten bis kurz vorm Aufprall konnten gesammelt und analysiert werden. So hat die ESA genug Informationen, um den nächsten Schritt ihrer Mission vorbereiten zu können.

Die Episode zeigt ein häufiges Problem in der medialen Wahrnehmung von Wissenschaft. Berichtet wird über das, was spektakulär erscheint (Versuch einer Landung auf dem Mars) und nicht über das, was eigentlich viel spektakulärer ist.

Natürlich ist es schwieriger, einen faszinierenden Artikel über einen Satelliten zu schreiben, der die Atmosphäre eines Planeten untersucht. Das braucht Recherche, wissenschaftliches Hintergrundwissen und die Fähigkeit, Dinge anschaulich zu erklären. Eine Landung hingegen ist medial simpel darstellbar.

Der "Trace Gas Orbiter" kann in den nächsten Jahren dazu beitragen, eines der größten Rätsel in der Wissenschaft zu lösen: Gibt es Leben auch auf anderen Planeten? Diese Mission hätte Schlagzeilen und ausführliche Artikel verdient - stattdessen konzentrierte sich alles auf einen angeblichen "Fehlschlag". Ein Fehlschlag, der keiner war - aber über den zu berichten weniger Mühe machte als über die eigentlich faszinierende Wissenschaft.

Mehr von Florian Freistetter: HTTP://scienceblogs. de/astrodicticum-simple

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