Editorial

Kein Pudern

Christian Zillner | aus HEUREKA 5/16 vom 23.11.2016

Sex? Brauch ma ned. Wir malen Bilder (die Frage ist, wer diese "wir" sind, oder schreibe ich jetzt schon im pluralis majestatis über mich, bekanntlich das letzte Stadium vor der Psychose?). Ja, wir, das sind meine Spermien und ich, meine Mikroben und ich, etliche Kilogramm Bakterien, die mehr zu meinem Ich gehören, als sich Sigmund Freud je hätte träumen lassen. Nicht nur der Vater sitzt in und auf einem. Als junger Mensch ist man dem Sexualtrieb hilflos ausgeliefert, außer man gehört zu den Kaltduschern, Extremsportlern oder Opernsängern. Nicht nur einer hat seine Weltkarierre mit der Mitteilung an seine Frau gestartet: Das Schnackseln kannst künftig vergessen.

Schließen Operngesang und Sexleben einander aus -und wie steht es mit der Malerei? Manchmal dienen einem junge Damen ihre Nacktheit zum Studium an, nicht wissend, dass man sich davor eigentlich fürchtet (wozu sollte man sonst malen, es ist ein ständiger Akt des ängstlichen Singens im Wald -pardon, diese Methapher gehört den Opernsängern). Die Unterdrückung der eigenen Sexualität, auch Sublimierung genannt, ist für viele eine Voraussetzung für den Gang zum Sexualtherapeuten. Aber ratet einmal, was geiler ist: malen oder schnackseln?

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