BIOLOGIE

Sie mögen Bling-Bling und sind großzügiger als andere: die Blau-Elstern

Die Elstern zeigen: Gemeinsames Aufziehen der Nachkommen fördert prosoziales Verhalten -nicht nur bei Affen und Menschen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 5/16 vom 23.11.2016

Sie mögen Bling-Bling. Und sie haben nicht den besten Ruf. Jedenfalls sagt man Elstern nach, gerne Glitzerndes zu stehlen. Aber wussten Sie, dass sie großzügiger sind als viele andere Vögel? Das fand ein Team um Lisa Horn und Jorg Massen von der Universität Wien heraus. Ihre Experimente mit Blau-Elstern, einer asiatischen Vogelart, erschien in der Fachzeitschrift Biology Letters.

Blau-Elstern versorgen nicht nur den Nachwuchs gemeinsam, sondern auch andere Artgenossen spontan mit Nahrung. Vorteil bringt ihnen das keinen. Es ist pure Großzügigkeit. Forscher nennen das proaktives prosoziales Verhalten.

"Lange wurde das für ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen gehalten", sagt Erstautorin Horn. Man vermutet einen Zusammenhang mit der gemeinsamen Kinderaufzucht. Bei Affen, die das tun, konnten Forscher ebenfalls prosoziales Verhalten beobachten. "Bei anderen Tiergruppen fehlten bisher Ergebnisse", so die Kognitionsbiologin.

In einer ausgeklügelten Versuchsanordnung konnten die Blau-Elstern zwar Artgenossen Futter geben, es aber selbst nicht erreichen. Dennoch machten sie mit der Versorgung der anderen unverdrossen weiter.

"Das untermauert die Hypothese, dass gemeinsame Jungenaufzucht prosoziale Tendenzen nicht nur bei Menschen und Affen, sondern auch bei anderen Tierarten fördert", sagt Horn. Zur Absicherung werde man weitere Vogelarten testen.

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