SYSTEMBIOLOGIE

Karibik-Mikroben machen es bei der Vermehrung andersrum

Hat sich diese Teilungsart entwickelt, um den beiden Tochterzellen eine feste Bindung zum Wirtswurm zu ermöglichen?

Jochen Stadler | aus HEUREKA 5/16 vom 23.11.2016

Lehrbuchmäßig teilen sich stäbchenförmige Bakterien stets quer durch die Mitte, indem sie dort gleichmäßig von einer ringförmigen Struktur eingeschnürt werden. Wiener Forscher fanden bei Mikroben aus der Karibik, die symbiotisch Würmer besiedeln, aber ein gänzlich anderes Teilungsmuster: Sie spalten sich längs, und von dem Einschnürring halten sie wohl auch nicht allzuviel.

Diese karibischen Bakterien sind besonders schmal und bedecken die Oberfläche von Meereswürmern wie die Stacheln einen Igel, berichten die Forscher um Silvia Bulgheresi vom Department für Ökogenomik und Systembiologie der Universität Wien. Kurz bevor sie sich teilen, wachsen sie ein wenig in die Breite, dann entsteht an jenem Ende, das den Wirt berührt, eine Einschnürung und ein wenig später auch genau gegenüber.

"Wir vermuten, dass sich diese Teilungsart entwickelt hat, um den beiden Tochterzellen eine feste Bindung zum Wurm zu ermöglichen", sagt Bulgheresi. Wenn die Bazillen nämlich quer abgeschnürt würden, bliebe nur eine davon am Wirt verankert, die andere würde wohl in die Weiten der Karibik gespült.

Ungewöhnlich bei den karibischen Wurmliebhabern ist auch, dass nicht ein durchgehender Ring des Zellteilungsproteins "FtsZ" für das Abschnüren der Tochterzellen sorgt wie bei allen bisher untersuchten Bakterien. Bei ihnen gibt es FtsZ nur fragmenthaft an den jeweiligen Teilungsstellen, berichtet die Forscherin.

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