BIOTECHNOLOGIE

Das Imperium schlägt zurück: Antibiotika werden zunehmend wirkungslos

Immer mehr Krankheitserreger werden gegen ihr Antibiotikum resistent. Eine Forschungsgruppe in Wien untersucht die Gründe dafür

Sandra Tietscher | aus HEUREKA 1/17 vom 22.03.2017

Erst kürzlich hat ein Fall aus den USA Schlagzeilen gemacht: Eine Frau ist an einer Infektion gestorben, nachdem keines der 26 dafür zugelassenen Antibiotika Wirkung gezeigt hat. Eine Erinnerung an ein seit Langem bekanntes Problem: Unsere Antibiotika verlieren an Wirksamkeit. Die Krankheitserreger holen schneller auf, als uns lieb ist.

"Die Entwicklung von Resistenzen ist ein natürliches Phänomen", sagt Thomas Marlovits, Molekularbiologe an den Instituten für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und Molekulare Pathologie (IMP) in Wien sowie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Es ist ein Mechanismus, den alle Organismen nutzen, um sich an ihr Umfeld anzupassen und überleben zu können." Zum Problem wird es, wenn Krankheitserreger die Angriffsziele herkömmlicher Antibiotika so verändern, dass diese ihre Wirkung einbüßen.

Mit diesem Thema beschäftigt sich die Forschungsgruppe von Marlovits: "Wir versuchen, generelle Mechanismen der Resistenzen zu untersuchen, um neue Angriffsflächen zu identifizieren." So spielt zum Beispiel die Ausschleusung der Antibiotika durch Pumpen in der bakteriellen Zellwand eine Rolle, weil sie die Konzentration der Medikamente an ihrem Zielort deutlich verringert. Die Erforschung dieser Pumpen ist eines der Themen, mit denen Marlovits sich beschäftigt. "Das Thema Resistenz wird man nie ganz loswerden. Umso wichtiger ist, dass auch die Forschung dranbleibt."

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige